IMAGO ECCLESIAE   DAS BILD DER KIRCHE


Seesturm

Kirchberg, Kath. Kirche St. Michael, Chorfenster "Seesturm"


Das Erscheinungsbild der Kirche: 12 fach Kleinmut, Angst, Unglaube, Aggression, Anmaßung.

Herrschsucht, Nachahmung, Subordination, Schriftgelehrtenkram, Heuchelei, Fehlplanung,

Verwaltung - aber der 13. bringts: ER ist Ruhe und Gelassenheit, Vertrauen und Treue, Mut

und Mutmacher, Vergebung und Wandlung in uns.


                             ER ist unser AMEN. Und Amen heißt dreierlei:

                                 Ich vertraue - ich bin treu - ich traue mich.


  Ein herrliches Glaubensbekenntnis verfasste Alkuin von York, einer der Großen im Frankenreich,
  zeitweise am Hof Karls, ab 796 Abt von St. Martin in Tours. Die Sachsenschlächterei hatte er nicht  
  ausgehalten..Gegen 800 , vermutlich 796 oder 97 kam er zur Kirchweih unserer Urkirche  St .
  Martin Siegelhausen. All unsere  Gemeinden ringsum haben dort ihre Wurzel, ehe sie im 13. Jh.
  selbstständig wurden. Das Siegelhausener Kirchlein ist verschwunden, das Patronat des Hl.
  Martin kam nach Affalterbach und  lebt dort noch im Namen der heutigen Evangelischen Kirche
  weiter. Der Taufstein ist aufbewahrt in der jetzigen Ev. Kirche zu Bittenfeld.


  Ich glaube an die heilige Kirche,            die apostolisch ist und allgemein und rechtgläubig,

  und die uns unversehrte Lehre kündet.          Nicht glaube ich an sie, wie ich an Gott glaube,

  wohl aber glaube ich, daß sie in Gott ist und Gott in ihr.
                                                                                                Nicht ist sie Gottes eingrenzendes Maß,

  wohl aber ist Gott der Raum der Kirche..     So ist sie Gottes Haus und Braut des Herrn Christus.

  Sie ist die leibhafte Gemeinschaft der Heiligen,  
                                                                               aller Gerechten, die sind und waren und kommen.
  
  Größeres noch ist wahr: auch die Chöre der Engel     scharen sich selig zur alleinigen Kirche.

  Denn der Apostel lehrt : Versöhnt ist alles in Christus
                                                                           nicht nur auf Erden, auch was da lebt in den Himmeln.

  Gottesstadt nennt man die hehre Einheit,      Glutofen, der alles zusammenschmilzt.

  Sie ist mein Glaube, die eine Kirche,            katholisch, weil hinieden und droben,

  zerstreut über die Welt und dennoch berufen,  einmal gebunden zu werden zu seliger Garbe,

  wenn sie mit Christus in Ewigkeit herrscht.    Er ist das Haupt und die Kirche der Leib.

  Dieses Leibs bin auch ich ein Glied,             wenngleich nur ein kleines, schwaches.

  Der Kirche will ich in Glaube und Werk               immer die Treue wahren,

  das hoff ich vom Geber der Gaben.                 In der Kirche, die heilig und eins,

  dieser katholischen Mutter,                               die bis an die Grenzen der Erde

  alles mit Gottes Lobpreis erfüllt,                      glaub ich festen Gemütes

  Gemeinschaft der Gnade zu erben.                Nicht auf eigenes Werk vertrau ich,

  sondern auf Christi heiligen Blutstrom           und auf das gnadenverdienende Beten

  meiner heiligen Mutter, der Kirche.                                        Alkuin von York, 796


                                                                                           Übersetzung: Hugo Rahner SJ



Fußwaschung

   Kirchberg, Kath. Kirche St. Michael, Chorfenster "Fußwaschung"



   FUNDAMENTUM ECCLESIAE

   Grundlage und Fundament der Kirche ist die Vergebung. Nach dem Johannes-Evangelium ist

   sie das eigentliche Vermächtnis Jesu. Schuld ist nur da, damit Vergebung sein kann. Wem

   nichts zu vergeben ist, der kann auch nicht lieben. So lehrt es Jesus bei der Begegnung mit
  
   Maria Magdalena. Und wenn seine Jünger angesichts des Blindgeborenen fragen: Wer ist

   schuld? weist Jesus sie zurecht : Niemand ist schuld! Er ist blind, damit er sehend werden kann.

   Von Magdalena sagt er : ihr müssen viele Sünden vergeben sein, sonst könnte sie nicht so

   viel Liebe zeigen.

   Wer auf dem Wege ist, dem werden die Füsse schmutzig und schrundig. Ob er will oder

   nicht, er belädt sich mit den Sünden dieser Welt. Da gilt es, einander die Füsse zu waschen

   und zu salben, und alle Schuld zu vergeben.



Kelch



   Affalterbach, Kath. Kirche St. Johannes, Der Hl. Gral, Buch und Kelch.  Detail aus der Skulptur

                                              der  2 heiligen Johannesse


   COR ECCLESIAE             DAS HERZ DER KIRCHE SCHLÄGT IM GOTTESDIENST.

   Man hat für den Gottesdienst heute allerlei Namen: Mahlfeier, Opfer oder Meßopfer,

   Eucharistie, und das sind auch alles Elemente des einen katholischen Gottesdienstes.

   Die Hauptsache aber steckt in den Worten Messe und Wandlung. Das Wort Messe leitet man

   allerdings meist nur aus dem Lateinischen ab, von Missa oder Missio, Entlassung oder

   Sendung. Nun ja, Sendungsbewußtsein bzw. eine Mission hat  jede Partei und Ideolgie,

   meist auch ein Betrieb oder Verein.

   Ursprünglich kommt das Wort über die griechische Version  Messias aus dem hebräischen

   Maschiach, von Gott gesalbt.

   Peter bekennt Jesus als den wahren Messias, und mit Ihm und durch Ihn und in Ihm stehen

   wir doch vor Gott mit allem, was wir sind und haben. Maschiachim, Gesalbte, Christen heißen

   wir. Gesalbt mit der Freude der Auferstehung.

   In Galliläa könnt ihr mich sehen, sagt der Auferstandene. Und Galliläa ist Wandlung. Also: in

   der Wandlung sehen wir ihn, den vom Tod zum Leben Gewandelten. Im zentralen Geheim-

   nis der Auferstehung wandeln sich dann auch unsere Erdengaben von Brot und Wein in

   das Manna vom Himmel, in Seine leibhafte Gegenwart. Und in dieser Gegenwart werden

   wir mitgewandelt. Wir gehen nicht mehr aus dem Leben dem unausweichlichen Tod ent-

   gegen, sondern von diesem Leben durch den Tod zur Auferstehung.



Kostbares Evangeliar

   Hildesheim, Domschatz, Kostbares Evangeliar des Hl. Bischofs Bernward: Dreikönig

                                                Mt 2,1ff


   MYSTERIUM ECCLESIAE    Das Geheimnis der Kirche ist die Geburt des Messias aus

   Juden UND Heiden, aus Himmel UND Erde, aus Geist UND Jungfrau. Um das Jahr 1000

   herum wurde dieses Geheimnis in Teilen der Kirche besonders lebendig. Gerade als die

   Masse wie die Hierarchie die kirchlichen und gesellschaftlichen Mißstände, sowie die Angst

   vor der Jahrtausendwende mal wieder den Juden aufhalste, offenbarte sich in Hildesheim z.B.

   eine ganz andere Haltung. Der heilige Bischof Bernward schuf außer sehr biblischen Bronzen

   für seine Kirchen auch obiges Bild für sein Evangelienbuch.

   Die Vision: Die Erneuerung der Kirche und des Menschen kann nur geschehen in der Neu-

   geburt de Kindes.

   In der oberen Bildhälfte liegt der Messias wie ein Brotlaib auf dem Altar. Der Himmel sendet

   seine Strahlen durch einen Kranz von 22 Perlen, das sind die 22 hebräischen Zeichen der

   originalen Bibel. Das Strahlenbündel bildet mit dem Himmelskranz ein griechisches Alpha.

   Das Omega finden wir zweifach auf den seitlichen Türmen. Soll sagen: Aus dem einen Ur-

   sprung gehen die 2 Welten hervor oder die 2 Testamente (Aleph und Omega sind die Platz-

   halter für Aleph und Ajin, die hebräischen Zeichen für das eine und das Viele - 1 und 70).


   Ochs und Esel sind Zeugen der Geburt, der jüdische Ochs träumt einen seligen Traum zu

   Füßen des Kindes, der christliche Esel zu Häupten kann das Giften gegen den

   Genossen  nicht lassen. Er möchte die Altarkrippe für sich allein reklamieren.

   Bernward hatte einiges auszustehen, weil er den Alleinvertretungsanspruch untergrub. Hätte

   er sich nicht mit der Erziehung des jungen Otto III eine Lobby im Kaiserhaus erworben und

   die Niedersachsentreue für sich gehabt, wer weiß, wie es ihm und seinen Schöpfungen er-

   gangen wäre.

   42 Halbperlen trennen und verbinden obere und untere Bildhälfte. 42 Geburten zählt Matthäus

   vom Vater Abraham an. 42 Stationen zählt der Wüstenweg des Volkes aus Mizraim, der Welt

   der Ängste und Zwänge, dem Sklavenhaus der Fremdbestimmung, bis zum Gelobten Land,

   zum Eigensein.

   Unten kommen drei Priesterkönige mit Gaben. Bei genauem Hinschauen können wir sie

   identifizieren: Von links mit 11 Stenen auf dem Brustlatz und 2 Schollen unter den Füssen

   Kommt der Christ, von rechts mit 9 Sternen und auf drei Schollen der Jude. In der Mitte ver-
  
   mittelt Malkizedek, der Priester von (Jeru-)schalem. Er steht auf 5 Schollen - denk an die Quint-

   essenz - und trägt im Brustschild die Urim und Tummim, die Lichter und Vollkommenheiten

   des Paradieses, dazu die 12 Edelsteine mit den verschiedenerlei Facetten und Prismen der

   Wirklichkeit.

   Es sind noch mehr Bilder und Symbole da, aber vielleicht ist dies schon manchem zuviel.

   Ein letztes: Der achtstrahlige Stern ganz oben im Himmel verweist auf die Beschneidung

   und die Auferstehung jeweils am 8. Tag und auf die Salbung mit dem Öl. Schemen=Öl

   und Schemona=8 sind dasselbe Wort.



Die Vier - Dalet

   Affalterbach, Kath. Kirche St Johannes, Biblische Zeichen :Die Vier - Dalet


  
  
MISSIO ECCLESIAE                      DER AUFTRAG DER KIRCHE  ist vor allem Offensein

   und Öffnen. Dem Peter werden die Öffner des Himmelreiches gegeben. Die Sprache Jesu

   kennt gar keine "Schlüssel" - vom Wort Schließen. Und Jesus gibt dem Simon den Namen:

   Mein Erstgeborener - wörtlich: Aufbrecher des Mutterschoßes. Oder auch Durchbruch der

   Barmherzigkeit. Beides bedeutet Peter, vollständig: peter rechem. Jesus spricht schließlich

   hebräisch und kein Küchenlatein oder -griechisch. Wenn Petrus oder Petra ein bißchen

   ähnlich klingt, ist das allerdings schön, schließlich gibt es auch Wasser aus dem Felsen.

   Der Öffner des Erbarmens soll die Brüder stärken.

   Das himmlische Jerusalem hat 12 Tore, die Tag und Nacht offenstehen. Und nach der Über-

   lieferung wäre Salomo, der Sohn Davids, der Messias geworden, hätte er nicht die letzte

   Baulücke in der Stadtmauer verschlossen und so einen geschlossenen Ring gemacht.


    Die große Sünde am Sinai hat nämlich auch was mit  zu- und ausschließen zu tun. Was wir

   als Goldenes Kalb kennen, ist zuerst mal ein Goldener Ring (egel=igul). Dem Volk graut es

    vor dem offenen Himmel, dem offenen Weg und es verlangt nach einem gemachten Gott,

    nach dem Kreis einer in sich geshlossenen Dogmatik.


   UNSER BILD aus der Serie der 22 Zeichen, mit denen die Heilige Schrift geschrieben,

   eigentlich gezeichnet ist, ist das Vierte und heißt Dalet, die Tür. Hier gibt es das Abenteuer

   von Innen und Außen, die Aventüre, den Advent. Hier ist der Etz be chajim, der Lebensbaum

   im Quell. Ajin heißt auch Auge, und wenn die Übersetzung vom Splitter und vom Balken im

   Auge spricht, haben wir durch Gewohnheit auch diesem Bild eine - sogar recht moralische -

   Bedeutung abgewonnen. Horcht man aber in die biblisch-hebräische Vorlage, heißt es eher

   so: was schielst du nach dem (Lebens-)Baum im Quell beim Anderen, Du hast doch deinen

   Baum in deinem Brunnen. Entdecke erst mal den Quell in dir, dann kannst du weiter sehen.

  
   Liest man das Dalet von der anderen Seite her, ergibt sich das Wort Toled. Und das heißt

   Geburt. Tür - Geburt, Advent - Weihnachten, immer wieder gibt es neue Verbindungen.


Jesus und die Samariterin Am Brunnen
    
   Affalterbach, Kath. Gemeindehaus: Jesus und die Samariterin am Jakobsbrunnen, Holz-

                                     schnitt von Sr. Sigmunda May


  FONTES ECCLESIAE                      DER QUELL IM INNERN

  Die Frau aus Schomron  (Samaria) hat keinen "Mann", so lesen wir in Joh 4,16. Es steht aber

  ursprünglich da: sie hat kein eigenes sachar, kein eigenes Inneres. Darum muß sie aus

  fremden Brunnen trinken. Das ist nichts, selbst wenn es der Brunnen des Vaters Jakob oder

  auch der eines vergötterten Philosophen ist. Jesus lehrt sie  - und uns - wie das Wasser als

  seine Gabe in uns zum eigenen Quell wird, der fließt und sprudelt bis ins ewige Leben (Joh 4,14 u.a.).


     bi dem brunnen ich gesaz                                         Bei meiem Bronn bin ich gesessen

     miner sorgen ich vergaz                                                       meiner Sorgen ganz vergessen

     schier entslief ich umbe daz                                               schier eingeschlafen unterdessen

     do beduchte mich zehant                                                     Da erinnerts mich zurhand

     wie mir dieneten elliu lant                                                    wie ich doch König sei im Land

     wie mine sele waere                                                             und meine Seele wäre

     ze himmel ane swaere                                                         im Himmel - ohne Schwere

    unt der lip hie solte                                                                 und der Leib hier sollte

    gebaren swie er wolte                                                           wohl machen was er wollte

    dane was mir niht ze we                                                        Da war mir nicht mehr weh

    got gewaldes swiez erge                                                       Gott lenk es wie es geh

    schoener troum enwart nie me.                                           Ein schönrer Traum kommt nimmermeh.


   Walther von der Vogelweide schrieb um 1200 das wunderbare Gedicht, der Pfarrer die unge-

   nügende Übersetzung. Beide wünschen dem Leser einen Sommerbrunnentraum aus jener

   anderen Seite unseres Lebens, wo wir ein Gottesvolk von Königen und Priestern sind -

   UND ES EINANDER GÖNNEN!



   Ja und im Winter?     Nun da halten wir es mit den Lateinern:

                                         Beatus ille homo                   qui sedet in sua domo

                                         qui sedet post fornacem      et habet bonam pacem                Amen