WOFÜR WIR DANKBAR SEIN DÜRFEN

  „Danke“ – inwieweit spielt das Wort eine Rolle in unserem täglichen Miteinander?

  In der Tat nehmen wir vieles selbstverständlich hin, was Grund für das kleine Wörtchen wäre.

   Warum nicht ab und zu ein kleines Danke an Gott für ein Leben in Frieden,

   ohne Hunger, in Gesundheit, dafür, dass wir Familie und Freunde haben,

   die uns mögen, lieben, helfen, uns zeigen, dass wir nicht allein im Leben sind.

   Und vor allem auch ein Danke für die schon alltäglichen und augenscheinlich

   selbstverständlichen Dinge im Leben:

   Danke, dass es dich gibt, dass du mein Freund bist, für mich da bist.

   Danke für deine Hilfe, für das tolle Essen…..

   Vieles lässt sich finden, wofür das kleine Wörtchen „Danke“ lohnt.

   Aus diesen Gedanken entstand ein Gebet, das mich seit vielen Jahren begleitet

   und mir bewusst macht, wie viel es eigentlich im Leben gibt, wofür wir dankbar sein dürfen

   und es lädt ein, einfach auch immer wieder Dank zu sagen an Gott und unsere Mitmenschen.


   Guter Gott, wir danken dir für die Schöpfung.

   Wir danken dir dafür, dass du uns alles, was wir zum Leben brauchen geschenkt hast.

   Wir danken dir dafür, dass wir genug zu trinken und zu essen haben,

  aber auch vieles mehr, was unser Leben schön macht.

   Für alles, was im Garten, auf den Äckern und Feldern gewachsen ist, für alles Schöne und Gute,

   was wir Menschen aus deinen Gaben gemacht haben.

   Dafür, dass wir gesund sind, für die Freude, die wir miteinander erleben dürfen

   in der Schule, beim Sport, durch Musik und beim Spielen.

   Das wir in Frieden ohne Hunger leben dürfen.

   Für unsere Eltern, Geschwister, Familien und Freunde, dass wir leben.

   Vater im Himmel, wir danken dir. Amen.


   Ich wünsche uns viele gegebene und empfangene „Danke“ im Leben.

   Pfarrer Frank Schöpe



  73.  Zitate - nicht Plagiate

   KARL RAHNER: Die selbstverständlichsten und einfachsten Taten des Herzens sind die

   schwersten, und nur langsam lernt sie der Mensch... Und zu diesen Taten gehören:

   die Güte, die Selbstlosigkeit, die Liebe, das Schweigen, das Verstehen und das Gebet.


   MARTIN BUBER: Wer das helfende Wort in sich auftut - der erfährt das Wort.

   Wer Halt gewährt, verstärkt in sich den Halt.

   Wer Trost spendet, vertieft in sich den Trost.

   Wer Heil wirkt, dem offenbart sich das Heil.

  
   JOHANNES XXIII.: DerHerr ist nicht mit den Furchtsamen, sondern mit denen,

   die sich anstrengen, geduldig und großmütig zu sein.


   JOHANN WOLFGANG VON GOETHE: Auch das ist Kunst, ist Gottesgabe,

  aus ein paar sonnenhellen Tagen                      sich soviel Licht ins Herz zu tragen,

  daß, wenn der Sommer längst verweht              das Leuchten immer noch besteht.

  

   KARL HEINRICH WAGGERL:  - Was hetzt iden Menschen eigentlich?  Er kann nichts tun - ja.

   Er kan nicht einmal NICHTS TUN, ohne nach einem Nutzen zu schielen.


   VACLAV HAVEL:  Hoffnung ist  nicht die Überzeugung, daß etwas gut ausgeht -
  
   sondern die Gewißheit, daß es einen Sinn hat, egal wie es ausgeht.

  

  72.   Aufregungen aus Rom

  Laut Verordnung des Hl. Vaters müssen die Messbücher in deutscher Sprache neu heraus-

  gegeben werden, um ein Wort zu ersetzen. Aus "Für alle" soll bei der Wandlung "Für viele"

  werden, weil es in den Lat. Vorlagen "pro multis" heißt und nicht "pro omnibus". Das bedeute

  aber durchaus nicht, das Jesus sein Blut nicht "für alle" vergossen habe.

  Wie heißt es in der Bibel: Auf dem Stuhl des Erlösers hocken heute Buchstabenfuchser

  und Moralisten. Nehmt es nicht so tragisch.



  71..  Mariae Empfängnis]   -  08.Dez..

   Hier geht es nicht darum, daß Maria empfängt, sondern daß sie empfangen wird - von Chanah,

   der Großen Mutter, die Gott schon bei der Schöpfung zur Seite steht. In unserer Sprache und im

   antik-kirchlichen Verständnis kriegt man das nicht auf die Reihe, daß empfangen

   und empfangen werden womöglich zusammengehören. Biblisch ist  das so im Wort Kabala,

   von kibul, das tatsächlich beides meint und damit auch die "Überlieferung" bezeichnet, in der der

   Mensch gleichzeitig Empfänger und Empfangener, Sprechender und Hörender des Gotteswortes  

   ist. Was ist da schon "Tradition" aus alten Abgrenzungen und Rechthabereien?

   Schade, daß wir alle biblische Weisheit über Bord geworfen haben, um uns den griechischen

   Philosophen und römischen Herrschern anzudienen.

  

   70. Verklärung  -  06.August

   Für einen Moment wissen sie gar nicht, ob sie träumen oder wach sind, die Jünger. Da sehen

   sie nämlich ihren Jesus völlig anders als gewöhnlich: in strahlendem, geradezu paradiesischen

   Licht, ohne Grenzen von Zeit und Raum. Er redet mit Moses und Elias wie mit Gleichzeitigen.

   Und nach historischer Rechnung ist der eine 800 Jahre  tot, der andere sogar 1200. Aber die

   sind hier und jetzt quicklebendig. Zeit und Raum sind nämlich nur ungelenke Hilfsmittel, etwa

   wie Tortengitter. Deren kann man sich schon mal bedienen, aber niemals sollte man sich

   ihnen unterwerfen.  Glück. Liebe, Traum, Gott - die kennen doch auch keine zwingenden Grenzen.


   Titel der nächsten Artikel::

   69 Leseempfehlung

   68 Himmelfahrt - Pfingsten

   67 Wenn der Chef zum Gespräch bittet...

   66 Petri Stuhl

   65 Biblisches Weihnachten = Chanukka

   64 09.Sept. 2010 Beginn des Bibl. Jahres 5771

   63 Der Mensch - die Krone der Schöpfung

   62 Dennoch - Paul Fleming -Zitat

   61 Lese - Empfehlung

   60 Der Feind in dir selbst

  
  69 Lese-Empfehlungen  - setzen diesmal schon etwas Lesegeübtheit voraus:

  Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus   - Ders. Courasche

  Stevenson, Die Schatzinsel ( auch in hervorragender DVD)

  


  68 Himmelfahrt - Pfingsten

  40 Tage nach Ostern ist Himmelfahrt. Dieses Fest teilt die 50tägige Osterzeit im Verhältnis

  40 zu 10, wie die Finger unserer Hand 4 zu 1 sind. Und das ist übrigens eine oft wiederholte

  Grundproportion. So steht der Zahlenwert von Lebens- und Wissensbaum im Paradies 1 zu 4

  (233 : 932). So bringt der Iwri Joseph dem mizrischen Pharao das Zählen bis 5 bei : "4 Teile

  von allem, was dir begegnet, gehören zur fließenden Welt und sind zum Verbrauch. Aber das

  Wesentliche, was darin steckt, das Fünfte = die Quintessenz, das ist zum Behalten".


  Ehe Moses im Gespräch mit dem Gegenwärtigen auf dem Sinai die Offenbarung des

  Gotteswortes empfangen kann, muß ihm Jithro, der Priester von Midian erst das Prinzip

  4:1 beibringen: Teile das Volk in Familiengruppen zu 10, zu 50, zu 100, zu 1000 - die

  ihre Angelegenheiten jeweils von unten nach oben regeln  -  Du sei demgegenüber der Fünfte

  - oder die Eins. Subsidiaritätsprinzip auf dem Weg zur Befreiung und zu einer eigenen Welt.

  Midian ist Übrigens "das Maß" und Jithro "der Rest alten Wissens".


  In den 9 Tagen zwischen Himmelfahrt und Pfingsten feiert man eine "Novene" zum Heiligen

  Geist. Der Geist, biblisch ruach (200-6-8) ist's, "der lebendig macht". Er ist nämlich das

  Bindeglied zwischen Oben und Unten, auch im Menschen. Biblisch ist der Mensch eine

  Dreifaltigkeit, die sich als Viertes ihr  "Haus", ihren Körper schafft. Diese Dreifaltigkeit ist::

  neschamah = Atem Gottes - ruach = Geist, Bewegung, Richtung - nefesch = Leib, Leben.

  Das Vierte, das Haus oder die "Hülle die alles bedeckt" oder "die Leinenbinden" oder nach

  Paulus "das irdene Gefäß", die Basis in der konkreten Welt, das ist  guv oder gvi = der Körper.

  Ruach, der Geist bestimmt die Richtung: zieht er mehr nach oben, zum göttlichen Atem,

  zur Freiheit und Individualität  - oder zieht er eher  nach unten zur todgeweihten Materie und

  Normierung - oder aber, und das ist seine eigentliche Aufgabe: verbindet er oben und unten

  in einem oft schmerzlichen und leidvollen Spagat, in dem aber eine ganz tiefe Freude wurzelt.

  
  

67 Wenn der Chef zum Gespäch bittet.........

  Dann meint er das gewöhnlich nicht so. Denn ein Gespräch ist nur dann eines, wenn der

  Ausgang völlig offen ist - und beide Gesprächspartner es auch sind.

  So ein Chef-"Gespräch" ist meist nichts anderes als ein Anschiss - und so sollte man es

  ehrlichkeitshalber auch nennen.

  Gespräch - biblisch medaber (40-4-2-200) ist dort dasselbe wie Wüste - midbar (40-4-2-200).

  Wüstentage oder -jahre haben eigentlich nicht so sehr mit Entbehrung oder Einsamkeit im Sand

  zu tun als mit einem Prozess zwischen zwei Seiten, aus dem dann etwas Drittes, vorher nicht

  Absehbares entsteht - ein Weg.

  Selbst unsere dürftigen Bibelübersetzungen kommen nicht umhin, die Gabe der Thora,

  des Gotteswortes am Sinai, nicht als Dekret oder Gebot oder so zu bezeichnen. Es heißt

  ausdrücklich: Moses = "der Mensch" - redet und der Gegenwärtige antwortet.


66 PETRI STUHL                                                                     22.Febr.

  gemeint ist der Jahrtag des Hl. Peter. Der Name kommt vom altrömischen Brauch, einem

  geliebten Verstorbenen an seinem Todestag einen schmalen Stuhl aufzustellen, um anzu-

  zeigen: er hat noch einen Platz bei den Lebenden, allerdings nimmt er nicht so viel Raum

  ein, wie denen gebührt. Da das Datum des Martyriums Petri nicht bekannt war, gedachte man

  seiner am römischen Allerseelentag Ende Februar.

  Übrigens wird der Name dieses ersten Apostels Jesu im Deutschen korrekter wiedergegeben

  als sonstwo. Denn natürlich hat Jesus ihn nicht seinen Petrus oder Petros genannt. Jehoschua

  (Jesus) spricht  weder Griechisch noch Latein, und wenn, dann sicher nicht Küchenlatein. Und

  hebräisch heißt peter: mein " Erster", mein "Öffner" - oder vollständig peter rechem: "der Durch-

  bruch der Barmherzgkeit".  Sicher auch angemessener als die Ableitung von Petra Fels.


  65  CHANUKKA das Biblische Weihnachten                      ( 02.-09.Dez. im Jahr 2010)

   Unser Weihnachtsfest geht ursprünglich auf  das Biblische zurück. Aus Verachtung und Hass

   mochte man aber nicht mit Juden gemeinsame Feste feiern, daher warf man sich der Welt-

   macht Rom an den Hals, übernahm nicht nur deren Sonnenkalender sondern auch ein etwas

   dubioses Fest des Sol Invictus. Die Nazis machten dann ein Julfest als Wintersonnenwende

  daraus.

   Bibiblisch ist Chanukka = "Die Erneuerung des Menschen in der Geburt des Erlösers" 8 Tage

   vom 25.Kislew im Zeichen Schütze bis zum 2.Tewet im Zeichen Steinbock. Da werden die

   8 Lichter des Chanukkaleuchters angezündet. (So einer steht z.B. in Kirchberg)

   Etwas erinnert bei uns daran: die ursprünglich immerhin 4 Weihnachtstage vom 25.Dezember

   an, der Erew = Heiligabend am 24.Kislew wie am 24.Dez., der Oktavtag an Neujahr ( Fest der

   Beschneidung), die 4 statt 8 Adventslichter.

   Da der Schöpfungs- wie der Biblische Kalender nach Sonne UND Mond gehen paßt unser

   römischer Sonnenkalender trotz aller Kalenderreformen natürlich nicht damit zusammen.

   Genau so wenig wie der islamische Kalender, der nur nach dem Mond geht.



   64Am 09.September 2010 unseres römischen Kalenders beginnt das Biblische

   Jahr  5771 mit dem Waagemonat Tischri. Am 1.Tischri wird nach der Überlieferung der Mensch

   erschaffen bzw. aufgerichtet, um die ganze Schöpfung aus der ausufernden Evolution heraus

   an ihren Ursprung zurückzubinden. An diesem 1. Tischri wird auch der jenseitige Mensch

   unter dem Namen Joseph aus dem diesseitigen ("ägyptischen") Gefängnis befreit, um dem

   Pharao, dem Herrscher dieser Welt, seine Alpträume zu deuten und die Welträtsel ins

   Gleichgewicht, in die Waage zu bringen.



   63 Der Mensch - die Krone der Schöpfung

   Heute erwähnt man dieses Wort nur noch zynisch - und die "Krone" benimmt sich wirklich

   zynisch, wenn sie auf ihr Immer-weiter-wachsen setzt und geradezu in eigener Evolution

   explodiert. Die Kräfte und Säfte der Entwicklung steigen von unten, aus der Wurzel bis in

   die äußersten Spitzen der Krone und treiben sie weiter. Die Krone selbst muß die Gegen-

   richtung einschlagen und Licht und Luft zu der Wurzel bringen.

   So ist der Mensch als Krone der König der Umwendung, der Re-ligion, der Rückkoppelung

   an die tiefste Wurzel. Dazu empfängt er  Wort und Zeichen als Offenbarung. Es ist nicht

   seine Aufgabe, die Entwicklung aus eigener Kraft weiterzutreiben - damit laugt er sich und

   den ganzen Baum nur aus. Seine Aufgabe ist, die von unten aufsteigenden Kräfte zu lenken,

   zu "beschneiden", und die Wurzel mit Licht und Luft zu stärken, daß SIE die Evolution bringt.


   62 Dennoch     Sei dennoch unverzagt, gib dennoch unverloren,

                                                    Weich deinem Schicksal nicht, steh höher als der Neid,

                                                    Lach selber über dich und acht es für kein Leid,

                                                    Hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

                                                    Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren,

                                                    Nimm dein Verhängnis an, laß alles unbereut,

                                                    Tu, was getan muß sein, und was sich dir gebeut.

                        
                                                     Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke

                                                     Ist sich ein jeder selbst. Schau alle Sachen an:

                                                     Dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn.

                                                     Und wenn du voran gehst, geh auch in dich zurücke.

                                                     Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,

                                                     Dem ist die weite Welt und alles zugetan.

                                                                                                               Paul Fleming, Barockdichter

                    

  
   61Lesempfehlung  Charles Dickens, David Copperfield.  -  Christa Wolf,

    Stadt der Engel  - Friedrich Weinreb, Das Buch von Zeit und Ewigkeit

  
   60 Der Feind in dir

   Der Feind, das Böse steckt in dir. Wenn du das nicht wahrhaben willst, bist du wie der

   Teufel, der keinen Schatten wirft. Wir sind immer versucht, ihm Recht zu geben und

   unsere dunklen Seiten aus uns raus zu projizieren. Vgl. die Geschichte vom "Goldenen

   Kalb" am Sinai. Das ist eigentlich ein Goldener Ring oder Kreis, der sich schließt,

   damit es hier stimmt. Es kann aber hier nicht stimmen, weil diese Welt nur eine von

   vielen ist. Und wie Gott das Licht aus der Finsternis hervorgehen läßt, so formt er das

   Gute aus dem Bösen. So steht es ausdrücklich bei Isajas.



   Inhaltsübersicht 59-44

   59 Wer bewegt was                                  58 Aus dem Bibl. Morgengebet - Schachrith

   57Pharisäer und Schriftgelehrte            56 Schuldzuweisung                55 Petri Stuhl

   54Advent                                                     53 Leseempfehlung                 52 Martin

   51 Was wünsche ich mir?                      50 Sukkoth                                  49 So betet deine Kirche

   48 Leseempfehlung                                47 Ostern                                    46 Thomas v.Aquin

   45 Pauli Bekehrung                                 44 Leseempfehlung

   59 Wer bewegt was

   Es bewegt sich nichts.

   Du selber bist das Rad,

   setzt deine Welt in Gang.             Angelus Silesius

    
   58 Schacharith - Aus dem bibl. Morgengebet

   Mein Gott, das Leben, das Du mir gegeben, ist rein.

   Du hast es geschaffen, du hast es gebildet.

   Du hast es mir eingehaucht, und Du bewahrst es in mir.

   Du wirst es eines Tages von mir nehmen -

   und Du gibst es mir wieder im Kommenden Reich.

   Solange Leben in mir ist, preise ich Dich, meinen Gott

   und Gott meiner Väter. Gelobt seist Du, Ewiger,

   der das Leben zurückkehren läßt in die toten Leiber.



   57 PHARISÄER UND SCHRIFTGELEHRTE

   Pharisäer sind nicht eine frühere Sekte, es ist eine recht starke Versuchung im Menschen

   Der Name sagt: "Abgeschnittene" nämlich vom Baum des Lebens. Da wählt man die

   Frucht vom Baum des Wissens und Beweisens, auf alles klebt man seine moralinsauren

   Etiketten von Gut und Böse. "Wer ohne Sünde ist, kann mit Steinen werfen" - so Jesus.

   Seine Hörer gehen in sich - und davon, angefangen bei den Alten. Und Jesus malt im

   Staub - ein Wind oder ein Tapper darüber, weg ist die Spur all des begrenzten Bösen.

   Moralvorstellungen sind extrem dem Zeitgeist unterworfen. Wie kann man mit heutigen

   Maßstäben be-und verurteilen, was vor Jahrhunderten oder vor Jahrzehnten geschah?

   Oder auch gestern? Man kann allenfalls sagen: Das wollen wir nicht wieder so machen,

   dazu helfe uns Gott.


   Schriftgelehrte sind Bürokraten, Gesetzesfanatiker, die sich auf tote Normen berufen

   und allenfalls Tinte in den Adern haben. Die machen sogar Gottes lebendiges Wort tot, um

   es nach den Vorstelluhngen ihres schmalen Horizontes zu sezieren. Und Jesus bringen sie

   zu Tode mit dem Argument: "Wir haben ein Gesetz, nach diesem muß er sterben!" Und sie

  bezeichnen die Bibel, die Thora als Gesetz. Das ist geradezu infam. Thora heiß "Schwängerung"-

  "Ich lege meine Thora, den Samen meines Wortes in euer Inneres" - so sagt Gott. Selbst

   Hebräer, die es wissen könnten, machen aus einer "mizwa" ein "Gesetz". Dabei ist mizwa

   eine Wohltat oder auch eine Gute Eigenschaft. 13 mizwoth (Mz. von mizwa) ruft der Gegen-

   wärtige Gott aus, wenn er an Moses oder auch Elias vorüberzieht: Barmherzig, gnädig lang-

   mütig, treu bis ins Tausendste, erlösend bis in die 4., die am weitesten vom Himmel ent-

   fernte Kategorie. Und doppelt gegenwärtig - im Himmel und auf Erden......


  56 SCHULDZUWEISUNG

  Im Kirchberger Altar haben wir eine bernwardinische Bronzetafel, auf der sehr eindrucksvoll

  die paradiesische Ursünde dargestellt wird (s. unter "Kahal"). Der Mensch versteckt sich

  doch vor Gott, weil er sich seiner Blößen schämt - und dann sucht er sofort Schuldige,

  um von sich abzulenken.

  Und angesichts eines blindgeborenen Bettlers kommt selbst Jesu Jüngern nichts Besseres

  in  den Sinn als die Frage nach den Schuldigen. Wenn der doch schon blind geboren ist  -

  sind dann die Eltern schuld?

  Jesus verweist ihnen die Schuld- und Ursachensuche. "Ein Blinder ist blind, damit er anders

  sehen lernt, die Sünde ist dazu da, daß sie vergeben wird, schmutzige Füsse, daß sie

  gewaschen werden." So kann man sein Evangelium  zusammenfassen.


  55 PETRI STUHLFEIER  22.Februar

  Im Rom der Martyrerzeit stellte man den Verstorbenen an ihrem Todestag einen schmalen

  Stuhl auf, um damit zu zeigen: Du hast noch einen Platz bei uns. War der Todestag nicht

  bekannt, nahm man das Datum des allgemeinen Totengedenkens, die Iden des Fischemonats

  Februar. Als man solche Zusammenhänge vergessen hatte, verstand man Petri Stuhl

  als Kathedra Petri, den Lehrstuhl des Papstes.



  54 ADVENT = Aventüre = Abenteuer

  Es ist zunächst einmal Gottes Abenteuer, sich einzuschränken, seine Ehre, Allmacht, Größe,

  Allwissenheit usw. an den Nagel zu hängen, um eine unvollkommene, polare Welt zu

  schöpfen. Denn eine vollkommen "eine" Welt ist  unmöglich, die wäre ja wieder Gott.

  Also läßt Gott sich auf die Unvollkommenheit und den  unvollkommenen Menschen

  ein, denn nur hier kann es Vergebung, Erbarmen, Liebe und Überraschung geben. Und

  diese Gaben wiegen offenbar alles andere auf.

  In der Folge mutet er auch uns dieses abenteuerliche Abenteuer zu - wie der Jungfrau

  das Kind. Nehmen wir es an? Setzen wir Vergebung, Liebe, Unberechenbarkeit  über Ehre,

  Wissen und Rechthaberei?



   53 Leseempfehlung :  Astrid Lindgren, Die Brüder Löwenherz



   52 MARTIN      -11.11.    Es geht nicht einfach ums Teilen. Martin gibt sich eine

    Blöße, um den anderen nicht bloßzustellen. Die meisten Geber geben von oben herab,

  lassen den anderen seine Kleinheit spüren - vgl. die sogenannten Schutzmantelmadonnen.

  Martin lebt das, was der Epheserbrief so ausdrückt: Er ist wie Gott, hält sich aber nicht daran

  fest, wie Gott zu sein, entäußert sich und macht sich dem anderen gleich.

  So blamiert sich Gott vor den Engeln, wenn er eine unvollkommene Welt mit einem noch

  unvollkommeneren Menschen schafft. Nur in der Unvollkommenheit ist Liebe möglich.



  51Ich wünsche mir...

   Ich wünsche mir - ja was denn nur?

   Ich wünsch, ich wär' ein Held -

   Dann schlüg' ich alle Fliegen tot,

   Was kostet denn die Welt!

  
   Ich wünsche mir - ja was denn nun?

   Ich wünsch', ich wäre fromm!

   Dann schick' ich viele in die Höll'.

   Daß ich in ' Himmel komm'.

  
   Ich wünsche mir - ja was denn noch?

   Ich wünsch' , ich wäre reich -

   Dann bin ich was und bin ich wer,

   Und keinem Schnorrer gleich.


   Ich wünsche mir - na denn man zu!

   Ich wünsch, ich wäre klug -

   Dann spuck' ich auf die dummen Leut'

   Und bin mir selbst genug.


   Ich wünsche mir - nu was denn nu?

   Ich wünsch, Du magst mich sehr -

   Dann pfeif' ich auf den Rest der Welt,

   auf Reichtum, Glanz und Ehr'.


  

  50 SUKKOTH  Das Biblische Grosse Fest - die Kirche hat es nicht übernommen -

  weist nicht nur auf die erste Station auf dem Weg von der Knechtschaft zur Freiheit hin.

  Die Väter, vor allem Jakob und dann David, leben zeitlebens in einer Sukkah. Die hat kein Dach

  und kein Fundament und nur Andeutungen von Wänden. Soll sagen: deine Abgrenzungen zur

  Seite seien sparsam, die nach oben und unten aber so gut wie nicht vorhanden.

  7 Tage dauert das Fest, dann am 8. wird die Thora , die Kernbibel zu Ende gelesen und

  gleich wieder neu begonnen. Simchat Thora - Freude am Wort Gottes - heißt dieser Tag,

  er trifft dies Jahr auf So 11. Okt. unseres Römisch-Heidnischen Kalenders.

  Am letzten Tag dieses Großen Festes steht Jesus im Heiligtum und ruft: "wer dürstet, komme

  zu mir, ich gebe ihm, daß Quellen lebendigen Wassers aus seinem Inneren hervorsprudeln.


49So betet deine heilige Kirche

  Herr der Welten, wie schwach sind die Menschen!

  Güte gab dir am Urbeginn ein, die Erde zu gründen.

  Liebe hat deine Hand geführt, als du den Menschen formtest.

  Nun ist er da - so trag ihn geduldig!

  
  Schlage, mein Herr, die Menschen nicht, wie sie es verdienen.

  Sie gingen zugrunde - und deine Güte könnte es reuen.

  Lag doch ihr sündiges Tun offen und bloß vor deinem wissenden Auge,

  längst eh du sie schufest.  Und was sind denn die Sünden der Welt?

  Ein Nichts gegen deine heilige Gnade!

  Und was ist denn die Familie der Menschen?

  Ein flüchtiger Traum im Angesicht deiner Erlösung.


  Schaue, mein Herr, nicht auf die, die dich reizen. Selbst in unseren Tagen

  gibt es der Treuen noch viel. Und etliche suchen nach Wahrheit.

  Sieh, dein lebenspendender Leib wird noch gewandelt inmitten der Kirche,

  noch hütet die Braut den Kelch deines heiligen Blutes,

  und die ganze Natur ist ein glorreiches Fest - zugleich auch ein Schrei nach Erlösung.


  Gib du deiner Welt ein Ende der Kriege, Heilung und Fülle des Friedens.

  Nimm von uns das Grauen und die Boten des Unglücks.

  Fröhlich und unbeschwert sei wieder dein Mensch,

  aufgetaucht aus den Tagen der Trübsal.


  So betet vor dir, o Herr, deine heilige Kirche.

  Aus dem Staube fleht sie mit all ihren Kindern.

  Deine Geburt im Fleische - aus Liebe zur Kirche geschehen -

  ach, daß sie deinem Geschöpf aufs Neue Erbarmen gebäre!    Cyrillonas von Syrien, 4.Jh.


  
  48Leseempfehlung   Jostein Gaader, Wie in einem Spiegel

  
  >>>trauen Sie sich ruhig tiefer runter - von Zeit zu Zeit kommt auch eine Inhaltsübersicht <<<


   47OSTERN

   Biblisch Pessach = Entrinnen, Davonkommen. Wer das Lamm vom 10.bis 15.Nissan mit ins

   Haus nimmt und dann dessen Zeichen an die Türe malt, der wird befreit. Nissan ist der bib-

   lische Ostermonat im Zeichen des Lammes.

   Pessach schreibt sich: 80-60-8 = 148. Brot und Wein schreiben sich: Lechem 30-8-40 und

   jajin 10-10-50, zusammen ergeben sie also auch 148.

   Das deutsche Wort Ostern ist = sich am Osten ausrichten, Orientieren im wörtlichen Sinn

   (vgl. "Einnorden") Vergessen Sie irgendwelche germanischen oder sonstigen Anklänge.

  
   Das LAMM ist Führer durch die Zeit: In der Schöpfungsgeschichte heißt es: Seid zur Welt wie

   ein Lamm - nicht: macht euch die Erde untertan.  Das Lamm führt Moses zum brennenden

   Dornbusch und zur Gottesbegegnung. Das Lamm führt aus der ägyptischen Knechtschaft

   und gibt auf dem Wege das Manna, Brot vom Himmel. Für Joh. den Täufer ist Jesus das

   personifizierte Gotteslamm. Und am Ende sitzt das Lamm auf dem Thron und korrigiert die

   Lebensbücher (Ofb.)

   Der HASE ist ein altes Symbol für Aufgeweckt-sein - er schläft mit offenen Augen. Jesus nennt

   seine Jünger die "Aufgeweckten" = naarim.

   Das EI ist Symbol für das Grab, aus dem neues Leben aufersteht.


    46THOMAS VON AQUIN                           28.Jan.

    Der hochbegabte Schüler und Erbe Alberts des Großen (13.Jh.) warf sich ganz auf die

    Schriften des genialen heidnischen Philosophen Aristoteles, die mit vielem anderen

    von den Kreuzrittern aus den reichen arabischen Bibliotheken  geraubt worden waren.

    Sein Meister hatte immerhin noch versucht, die medizinischen und naturwissenschaftlichen

    Quellen zu erschließen, was ihm den Verdacht einbrachte, er sei ein "Magus", ein Zauberer.

    Biblische Quellen, die von den Arabern mit großer Sorgfalt gehütet worden waren, befan-

    sich auch in der Beute, blieben aber von beiden unbeachtet und gingen so dem etwas

    schludrigen Abendland ein zweites Mal verloren.

    Aus dem Aristotelles baute Thomas ein gewaltiges Denksystem, an dem 700 Jahre lang

   kein Christ und Theologe vorbei kam. Scholastik, Thomismus, Neothomismus... es gab

   schon ein paar Variationsversuche seiner Diadochen, die aber vergleichsweise mager

   ausfielen. Noch magerer aber gerieten alle unsystematischen Versuche, aus anderen

   Quellen zu schöpfen.



   45.PAULI BEKEHRUNG

   Es ist eine Blitzkonversion, in der Saulus alles verbrennt und verurteilt, was er seither geglaubt

   hat, und als alleinseligmachend verkündet, was er seither verfolgt hat. Er ist stolz darauf, "die

   Jerusalemer", sprich: die Apostel und die Gemeinde Jesu zu verachten. Er betrachtet sich

   als den Apostel schlechthin. Und darin folgt ihm die Christenheit. "Sicut dicit Apostolos..."

   bedeutet immer: Wie es bei Paulus heißt.  Keine Frage, dieser Saulus-Paulus ist ein Großer

   und es lohnt sich, sich mit seinen Weisheiten wie mit seinen Komplexen zu beschäftigen.

   Aber wenn man die ganze Heilsgeschichte Gottes nur noch durch seine Brille betrachtet, wo-

   möglich sogar nur  durch den Filter seiner 2 ersten Briefe, dann hat man wohl etwas auf

   den Kopf gestellt.  Klar, die Katholiken sind erleichtert, wenn sie ihre Affenliebe für Römisch-

   heidnische Ämter, Titel, Arianismen, Zeremonien und Ornate doch auch irgendwie in seinen

   Personalbriefen wiederfinden, immerhin in der Bibel, wenn auch ganz am Rand.

   Saulus-Paulus gehört zu unserem Leben, und er gehört zur Weite der Kirche. Aber man muß

   ihn nicht ganz so wichtig nehmen, wie er sich selbst.


   44.LESEEMPFEHLUNG    Das Buch der Tagesheiligen  (liegt in Bu und Af auf)


   Inhalt 43-34

   43  O Kirche Gottes

   42 Reichskristallnacht               39 Biblisches Neujahr             36  Pfingsten

   41 Allerheiligen-Allerseelen     38 Michael                                   35 Kreuz als Freudenquell

   40. Sukkoth-Laubhütten            37.Leseempfehlung                  34.Leseempfehlung


   43KIRCHE GOTTES
  
   Viele Stadien hast du durchlaufen,

   warst Verfolgte und Verfolgerin,

   Unterdrückte und Unterdrückerin.

   Du heulst oft mit den Wölfen -

   doch aus dir spricht die Stimme des Lammes.


    Du warfst über Bord deine heiligsten Quellen,

    buhltest mit Aristoteles und anderen Heiden.

    Der Macht kannst du schlecht widerstehen,

    und auch nicht dem Mammon.

    Konstantin und Karl, McKinsey und Darwin,

    keiner geht spurlos an dir vorüber -

    doch im Kern lebst du aus Christus,

    mit Maria und Peter und all deinen Heiligen.


    Du bautest prunkvolle Bauten,

    Basliken, Kathedralen, Paläste -

    doch hier und da auch bescheidene Stätten des Betens.


    Oh Kirche Gottes,

    bis zum Halse im Staub der Welt,

    doch mit der Stirne im Himmel.  
                                                                                                    Jithro ben Menasche
    Kirche Gottes, wie liebe ich dich.                                     2008 am Tag des Hl. Damasus
                                                                                                    der Ende des 4.Jh. die Verweltlichung
                                                                                                    der Römischen Kirche monierte
                                                                                                    und die Martyrer ehrte.

  

  


   429.NOVEMBER - "REICHSKRISTALLNACHT Es war der Test, wieweit man in

   der Verfolgung der Juden gehen könne. Das begeisterte Mitmachen der Bevölkerung

   oder die schweigende Zustimmung auch der Nachbarn galt als Freifahrtschein zur "End-

   lösung".  Wieso geht es immer auf die Juden? Mit allen anderen Mehr- oder Minderheiten, die

   fremd und verhasst sind, arrangiert man sich doch über kurz oder lang.  (Siehe die Grünen,

   bald auch die Linken bei uns, die Katholiken in USA, die Inder in England...) Nun, die Juden,

   auch die, die selber gar nicht glauben oder danach leben, repräsentieren eine ganz andere Art

   von Wirklichkeit, eine mit 2 Brennpunkten wie in einer Ellipse. Und Christ und Moslem, Nazi

   oder Kommunist, Diktator oder Spießbürger - so unterschiedlich sie sein mögen, in einem

   stimmen sie alle überein: die Welt soll nur einen Mittelpunkt haben, um den sich alles

   dreht. Sie sind alle einbeinig wie die Pilze mit ihrem Standpunkt. Deswegen fühlen sie sich

   bei aller Konkurrenz doch von derselben Rasse und können gegen die Zweibeiner koalieren

   (siehe Pharisäer und Herodianer gegen Jesus).


   41 ALLERHEILIGEN - ALLERSEELEN gehören zusammen. Sie feiern die Heilig-

   keit und Beseelung allen Lebens, sie bringen auch die 3 Schichten oder Welten des

   Einzelnen wie des Lebens der Kirche und Schöpfung in Erinnerung: früher bezeichnet als

   die triumphierende, die kämpfende und die büssende - für unser Verständnis vielleicht besser:

   die heile, die durchwachsene und die armselige.
    

   40. SUKKOTH - BIBLISCH LAUBHÜTTEN

    Die erste Station auf dem Weg von der Knechtschaft zur Freiheit, kurz nach dem Erlebnis,

   daß die Zeit kristallisiert, um die Flucht zu ermöglichen, daß sie aber über den Verfolgern

   zusammenschlägt - hier lebt mann in Sukkoth, in "Hütten", die wohl Abgrenzung nach links und

   rechts, aber nicht nach oben und unten bieten. Sie erweitern den Horizont von der horizontalen

   Achse zur vertikalen.Das Fest dauert 7 Tage - es ist das einzige, das die Kirche nicht übernom-

   men hat.

   Am 8. Tag ist Simchat Thora - Freude am Wort Gottes.

  Jakob übrigens lebt in Hütten ("Zelten"), am Ende der Zeit wird die verfallene Sukkah (EZ von

  Sukkoth) Davids wieder aufgerichtet, nicht sein Palast, noch der Tempel Salomos, geschweige

  denn der des Herodes.




   39.BIBLISCHES NEUJAHR

    Am Mo 29. Sept. beginnt abends mit dem Neumond  das Biblische Neujahr 5769. Bis zum

    10 Tischri (am 9.Okt.) ist nach der Überlieferung noch Zeit, Altjahrslasten zu begleichen.

    Dann wird mit dem großen Versöhnungstag, dem Jom Kippur ein Deckel auf alle alten

    Geschichten gedeckt, damit das Neue Jahr nun endlich auch wirklich neu sein kann.


    38.MICHAEL KÄMPFT FÜR GOTT GEGEN GOTTES EHRE

     Kampf im Himmel. Wie hier Vater und Mutter oft um die Kinder streiten, so steiten die Engel

     darum: was ist wichtiger : der lebendige Gott oder Gottes Ehre?

     Der Kämpfer für die Ehre verliert und wird in die Horizontale - aufs Kreuz - gelegt. der Kämpfer

     für Gott und Gottes Freiheit -Michael - siegt.


    37. LESE-EMPFEHLUNGEN

    Aharon Appelfeld, Elternland

    John Steinbeck, Jenseits von Eden

    Ivo Andríc, Die Brücke über die Drina

    A.A.Milne, Winnie the Pooh

    Walter Kempowski, Heile Welt


    36.PFINGSTEN DAS LIEBLICHE FEST IST GEKOMMEN:::                  

     - so kennen wir es aus Dichtermund. Biblisch ist es erst mal gar nicht so lieblich: da ist
     Donner und Blitz, Braus und Sturm, Rauch und Wolken; Berge schwanken, Widderhörner
     brüllen. Es ist was Größeres und braucht schon die Erschütterung bis in die Grundfesten
     unseres Lebens, wenn wir für den Gottesgeist aufgebrochen werden sollen.
     Dabei ist das alles nur Vorspiel. Dann kommt die Hauptsache: das Gespräch. Im Zwie-
     gespräch mit unserer erschütterten Seele, nicht in Diktat, Erlass, Gebot oder Katechismus
     begegnet uns Gott. Wir können es nachlesen in Ex 19,19: DER MENSCH redet und Gott
     antwortet. - Moses heißt der Mensch.
     Und Gottes Gesprächsbeitrag beginnt so: Ich der Gegenwärtige, dein Gott, mache dich frei
     aus dem Sklavenhaus, aus der Welt, die lauter Angst, Zwang und Fremdbestimmung ist.
     Und da wo du frei bist, hast du doch keinen fremden Gott.
     Es ist die ganze Bibel, die da im Gespräch zwischen Mensch und Gott erzählt wird. Eine
     Erzählung, ein Gedicht, peh-al-peh (80-5-1-30-80-5) von Mund zu Mund, und gleichzeitig in
     Stein graviert, in den ewen(1-2-50), der Vater UND Sohn in sich hat, Sein und Werden.
     Es ist der ewiggleiche UND der stets erneuerte Bund, die ganze Bibel mit schriftlicher und
     mündlicher Überlieferung, mit "Altem und Neuem Testament", vom Bereschit der Schöpfung
     bis zum Maranata der Offenbarung.
     Verdichtet, "in nuce", Essenz der Essenz, Heiligstes vom Heiligen - so erscheint das Ganze
     in dem, was wir in unserer moralisch-arianischen Beschränkung die 10 Gebote nennen.
     Dabei ist das ein Liebeslied der Freiheit, das da besingt, wie ER, JHWH-ELOHIM Seinen
     Menschen sieht: Da wo du frei bist, hast du keinen fremden Gott. Ich weiß, in ach so vielem
     bist du gar nicht frei,, da gierst du nach den Fleischtöpfen Ägyptens, nach dem Schweinefraß
     des Verlorenen Sohnes, da machst du dich gar zu bereitwillig zum Sklaven,der niederen Trie
     ben oder höheren Anordnungn folgt, zum Schaf, das nach dem Hirten blökt. Da tötest du mit
     jedem Atemzug, und seien es nur die Mikroben, damit die dich nicht töten.
     ABER ICH SEHE DICH DA WO DU FREI BIST, und da gönnst du allem das Leben - gerade so
     wie ich. Da bist du nicht gierig, du verbreitest keine Halbwahrheiten. Da bist du kein Dieb -
     du stiehlst deinen Kindern nicht ihre Kindheit und deinen Tagen nicht ihren Glanz. Da ehrst
     du Vater und Mutter, auch Vater Himmel und Mutter Erde. Da treibst du nicht Unzucht, coole,
     wissenschaftliche oder distanzierte Beziehungslosigkeit. Da hast du einen warmherzigen
     Bezug zu allem Lebendigen.
     Wo du frei bist, da übst du den Sabbat, die große Ruhe und Gelassenheit, denn ER, dein Gott
     ist es, der die Welt macht. Da hältst du Seinen Namen heilig, diesen unaussprechlichen,
     wunderbaren Namen JHWH, der erzählt, daß ER nicht nur in allem gegenwärtig, sondern
     die vollkommene Gegenwart selbst ist. Diesen Namen, in dem die 13 göttlichen  "Eigen-
     schaften", die mizwot stecken, die alle nach der Melodie gehen: barmherzig, geduldig
     und gnädig ist ER, treu bis ins Tausendste. Und Schuld macht er heil bis in die 4.,die unterste
     Welt.
     Diese gewaltige Grundmelodie ertönt auf dem Sinai, dem Gipfel der Gegenwart, der auch
     Gipfel des Hasses ist. Sie erschüttert dich bis ins Innerste. Denn was da von rauchenden und
     bebenden Bergen, von Blitz und Sturm erzählt wird, geschieht nicht außen, in der physikalischen
     Welt - immer neigen wir zum Veräußern wie Judas - es geschieht in der Innenwelt des Men-
     schen, und von da aus kann es sich auch nach außen spiegeln.
     IM PFINGSTEN DER APOSTELGESCHICHTE geht es vergleichsweise zivilisierter  zu. nicht gar
     so elementar. Statt die Berge zu erschüttern, füllt der Himmelsbraus die Stadt, und vor Freude
     summt's im ganzen Haus.Der Durchbruch geht auf den Grund der Sprache. All unser babylo-
     nisches Kauderwelsch wird heil gemacht: "Sind wir denn nicht mehr Poras und Modai, aus
     Phrygien, Pamphylien, nicht Asen oder gar aus Rom? Wie hören wir denn unsre Sprache, tief
     Innern eigne Sprache? Grad wie die Mutter unsrer Sprachen?"
     Sanft und entschieden sind wir angerührt. Das menschgewordene Wort bricht durch, aufer-
     standen aus den Ruinen oder auch aus der Flut unseres Geschwätzes, unserer selbstischen
     Erwartungen.
     Ob es auch uns erreicht? Das gebe ER, der Gegenwärtige. Daß wir doch in Seiner Gegnwart
     auftauchen und Seine Stimme hören: Tot warst du - aber jetzt lebst du, erschüttert, aufgerührt,
     auferstanden.                                                                                                                        Pfingsten 2008
    


   35.  KREUZ ALS FREUDENQUELL                                                             Zu Ostern

                                                               FREUDE IST HEUTE
                          
                                                        IM HIMMEL UND AUF ERDEN

                                                        DAS ZEICHEN DES KREUZES

                                                         WIRD ZUM FREUDENQUELL  

                                                             DENEN DIE ES EHREN                  Theodor Studites um 800

   Das Kreuz ist das Urbild der Schöpfung: Vier Ströme gehen hervor aus dem einen Urquell im

   Paradies. Kreuzförmig tränken sie die Welt. Vier Lager umringen das Heilige Zelt auf der Wan-

   derung von der Knechtschaft zur Freiheit.. In der Mitte hütet Levi die Gotteswohnung:

                                                                         Dan - Adler

                                   Ephraim - Stier         Levi - Lamm      Jehuda - Löwe

                                                                     Ruben - Mensch

   Ihre "Wappenbilder" werden genannt im Segen des Moses und Jakobs. Wir kennen sie auch

   als Symbole der Evangelisten:                Johannes - Adler

                                          Lukas - Stier            Gotteslamm             Markus - Löwe

                                                                         Matthäus - Mensch

    Ezechiel sieht diese Urbilder als Stützen des Himmlischen Thrones. Und wir kennen sie auch

    als die vier Fundamente oder Elemente der Welt, die zusammengehalten werden durch ein un-

    sichtbares Fünftes, das manche als "Aether" bezeichnen:

                                                                              Luft

                                                  Wasser                                    Feuer

                                                                             Erde

    "Du führst uns durch Feuer und Wasser" so beten wir im Psalm.Und "Tags inder Wolke, nachts
  
     in der Feuersäule" - so hütet und führt der Gegenwärtige sein Volk auf dem Wege.

    Abraham sitzt mitten in seinem Zelt, und das ist in alle vier Himmelsrichtungen offen. Und wenn

    er zur "Opferung", richtiger Bindung, noch besser zum Bund Isaaks auf den Berg steigt, dann

    bindet er dem Lamm aus dem Baum alle Viere zur Einheit.

   In der guten alten Zeit bis etwa  1000 hat man das Kreuz gern so dargestellt: an den vier

   gleich langen Enden vier Quadrate mit den Evangelistensymbolen, in der alles zusammen-

   haltenden Mitte  ein Kreis mit dem Lamm. Wir verstehen schon, daß das Kreuz Jesu, das wir

   nicht nur zu Ostern, aber da besonders als Heilszeichen verehren, weit mehr ist als ein Folter-

   instrument und ein Römischer Sklavengalgen. Auch dazu hat man es vernutzt, man kann alles

   mißbrauchen. Konstantin z.B. und seine weltlichen und kirchlichen Erben haben daraus eine

   Art Talisman weltlicher Herrschaft gemacht. Karl der Gr. ließ die besiegten Völker buchstaäb-

   lich zu Kreuze kriechen und den kreuzförmigen Schwertknauf küssen.

   Ob in Kreuzzügen, bei der Inquisition, in missionarischen Eroberungen - immer wieder wurde

   und wird dieses Heilige Zeichen auch zum Terrorinstrument gegen Gottes eigene Geschöpfe

   mißbraucht. Und eine sentimentale Frömmigkeit schließlich entwürdigt es zum Damokles-

   schwert, das über unseren Köpfen schwebt oder zum "Päckle"wird, das man in Gottes Namen

   tragen muß.

   Das alles sind Sumpfblüten verkrümmter Gehirne, Irrungen derer, die im Horizontalen gefan-

   gen bleiben.

   In den Evangelien wird das Kreuz aufgerichtet als Himmelsleiter. Die Vertikale, die Aufrechte

   schneidet und heilt alles Horizontale. Am deutlichsten wird das bei Johannes, da besteigt

   Christus das Kreuz wie den Weltenthron, wird "erhöht am Kreuz".In allen Evangelien ist ER  es,

   der das Kreuz auf sich nimmt. ER ist der Handelnde - auch der Leidende - all die Ankläger,

   Verurteiler, Schergen sind doch nur Randfiguren, Statisten in der einzug wichtigen Geschichte

   des Einen  mit seinem Gott.

   Daß man ihm das Kreuz auferlegt, ihn gar darauf festnagelt, das ist die dunkle Seite des

   Mondes, unsere immer währende historisierende Versuchung. Das sind die Windeln ums Kind,

   die Spelze ums Korn. Wenn wir darauf starren, sind wir ja wie Cham, dem Noah sagen muß:

   du bist ein Knecht und bleibst ein Knecht, du siehst nur das Niedere. Oder wie Kain, dem Gott

   selber sagt: was stierst du in den Dreck wie ein Maulwurf? Hebe dein Angesicht - der Himmel

   ist oben!

   Der rein historischen Betrachtungsweise, die - Gott sei's geklagt - heute selbst die Heilige

   Katholische Kirche fest im Griff hat, fehlt da eine Antenne, die Erstgeburt, wie es in der Bibel

   heißt. Immer wieder sucht man, das Äußere zum Maßstab zu nehmen, das Wesntliche, die

   Quintessenz festzunageln in der fließenden Zeit. Da fehlt das Fünfte, das Lamm in der Mitte.

  Keine Ahnung hat man, was die Welt im Innersten zusammenhält, man weiß nicht mal, daß es

   eine Innenseite des Lebens gibt. Wie Judas muß man alles Heilige, ja sogar DEN Heiligen

   verkaufen und veräußern - so wie die heutigen Judasse unsere  Kirchen pofanieren und ver-

   kaufen. Und wie sie Wandlung und Messe totschweigen. Verfluchte Mammonsdiener!

   Wenn Jesus nur eine historische Erscheinung sein soll, festgenagelt auf das Damals zwischen

   0 und 33, wenn wir Atheisten brauchen, die unsere Wunder bestätigen, wenn wir Heilige ab-

   schaffen, weil die Archäologen keine Knochen von ihnen gefunden haben - ja Du lieber Gott -

   dann snd wir ja tödlicher und erlösungsresistenter als SEINE Feinde "von damals". Dann

   wollen wir ja gar nicht raus aus unserem Gefühl der Gottverlassenheit. Dann hängen wir selbst

   IHM das noch an, um ihn zu uns herabzuziehen, statt uns von Ihm erlösen zu lassen zu unserer

   urspünglichen Gottesebenbildlichkeit.

   Trotz einstimmiger Übersetzungen und eindrucksvoller Arien heißt Eli Eli la-ma sawachthani

   nun mal nicht: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Wie kann Gott sein Ge-


   schöpf, gar seinen Sohn verlassen? Wie kann sich  einer der weiß, daß er aus Gott kommt

  und zu ihm heimkehrt, gottverlassen fühlen, egal was ihm passiert und was er anstellt? Wie kann

   Jesus im gleichen Atemzug zu seinem Nebenmann sagen: Heute noch sind wir beide im

   Paradies. Wieso wird David bei all seinen Sünden als DAS Muster und als Vater des Messias

   bestätigt, der Tugendbold Saul aber hintangestellt? Der Name, das Wesen Davids sagt: Ich

   bin geliebt, getragen, akzeptiert. Was immer geschieht, ich kann nicht aus Gottes Hand fallen.


   Der Name Saul aber sagt: Frage ohne Antwort - warum ich? Warum muß mir ein Fehler passie-

   ren, warum ist ein anderer glücklicher als ich,  womit habe ich das verdient......

   Eli Eli la-ma sawachthani ist ein gewaltiges Staunen: Mein Gott, mein Gott, auf was hin öffnest

   du mich?

   Wir sollten uns nicht von der miesen Mehrheit die wahrhaft österliche Freude am Heiligen

   Kreuz vermiesen lassen. Müssen wir denn den Himmelsglanz mit unserer grauen Tristesse

   eintrüben? Müssen wir uns masochistisch im Elend suhlen? Ostern ist daoch die Befreiung

   aus der Knechtschaft, aus Angst und Zwang und Fremdbestimmung.

   Und wenn unsere Sünde, unsere Horizontale, scharlachrot wäre: ER richtet uns  doch auf,

   läßt uns leuchten wie die Sonne, gibt uns das schönste Kleid wie dem Verlorenen Sohn,

   weiß wie die Wolle reiner Lämmer oder bunt wie Josefs Rock. Und wenn wir auch unter

   Tränen stammeln müssen: Ich glaube Herr - hilf meinem Unglauben: LASSEN WIR UNS

   ÖFFNEN FÜR SEINE ÜBERRASCHUNGEN!


   34.  LESENSWERT  Steven Runciman, Geschichte der Kreuzzüge

   Man sollte allerdings mutig genug sein, auch mal was zu überspringen und sich nicht durch

   die vielen gleichen Namen verwirren zu lassen.

  

                           INHALT der weiteren Impulse

   33. Neujahrs-Splitter              22. Schoa-Opfer  15.Apr.               11. Mariae Himmelfahrt 15.Aug.
   32. Chanuka-Weihnachten   21. Liebe deinen Nächsten          10. Ignatius v.Loyola    31.Juli
   31. Lese-Empfehlungen       20. Lesetip                                          9. Margarete                20.Juli
   30. Monat Tamus - Krebs     19. Petri Stuhl       22. Febr.              8. Magdalena              22.Juli
   29. Fronleichnam                   18. Pauli Bekehrung 25.Jan            7, Jakobus                   25.Juli
   28. Pfingsten                           17. Sebastian       20.Jan.                 6. Anna                         26.Juli
   27. Raum und Zeit                 16. Hilarius            13.Jan.                5. Lesetips
   26. Himmelfahrt                      15. Abenteuer Weihnachten           4. Dreifaltigkeit
   25. Lesenswert                       14. Bernward        20.Nov.               3. Himmelfahrt
   24. Kriegsende  8.Mai            13. Kreuzerhöhung  14.Sept.         2. Alkuin  v.Yorck          19.Mai
   23. Im Mai - Stier                     12. Paulinus v.Trier  31.Aug.          1. Mai-Anfang


  

  33.  NEUJAHRS - SPLITTER             -  Am besten einzeln zu verdauen -

   Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein leben, sondern weil Gott es mit uns lebt.
                                                                        P.Alfred Delp SJ im Winter 1944 vor seiner Hinrichtung

   Du sehnst dich, weit hinaus zu wandern,
   Bereitest dich zu raschem Flug.
   Dir selbst sei treu und treu den andern,
   Danni st die Enge weit genug.                                   J.W.Goethe

   Wirst ausziehn, das gelobte Glück zu schmieden.
   Dein Weg sei frei. Denn aller Weisheit Schluß
   Bleibt doch zuletzt, daß jedermann hinieden
   All seine Fehler selbst begehen muß.                    Mascha Kaléko

   Das All ist Eins. Was Gestern heißt und Morgen,
   Ist nur das Heute, unserm Blick verborgen.
   Ein Korn im Stundenglase der Äonen
   Ist diese Gegenwart, die wir bewohnen.                 Mascha Kaléko

   Du solltest immerzwei Sätze parat haben, die du von Fall zu Fall hervorholst:
   Bist du obenauf und drohst vor Eitelkeit zu zespringen, so erinnere dich:
   Ganze Welten sind vor IHM wie ein Tropfen am Schöpflöffel.
   Bist du am Boden und meinst, keiner liebt dich, so gedenke:
   Deinetwegen hat ER das All erschaffen.                Aus der Überlieferung

   Ein Neues Jahr - doch all die Leute
   Sehn nicht mal aus wie Leut von heute.
   Willst du Mensch nach dem Neuen fassen.
   So lerne erst das Alte lassen.                                   Hoyer Heyden
                                                                                          
   So ist nun mal die Zeit allhie - erst trägt sie dich, dann trägst du sie.      W.Busch
                              

   32.  DIE ERNEUERUNG DES MENSCHEN IN DER GEBURT DES ERLÖSERS

   so hieß in den ersten Jahrhunderten das Weihnachtsfest. Darin steckt die Erinnerung an das
   biblische Chanuka. Chanuka ist Erneuerung. Da werden 8 Lichter nacheinander angezündet,
   denn die sieben Schöpfungstage münden im achten, dem Tag des Maschiach ("Messias").
   Maschiach ist der mit dem Öl gesalbte, und Öl und 8 sind in biblischer Sprache eins.
   Mit jedem neugeborenen Kind wird die Menschheit erneuert. Herodes und Pharao, die Kinder-
   mörder, Nebukadnezar, der Tempelschänder, sie fürchten natürlich das Kind und die Erneuerung
   in der Geburt. Darum feiern sie ihre eigenen Geburtstage als Meilensteine, die sie von ihrem Kind-
   sein entfernen.

  31.    LESE-EMPFEHLUNGEN

    natürlich alle Werke von ASTRID LINDGREN, zB. Mio mein Mio

    FRIEDRICH WEINREB, Die Freuden Hiobs   Friedrich-Weinreb-Stiftung  64,--
    Sehr gut lesbar.  Die beste Zusammenfassung dessen, was "Biblische Überlieferung" meint.

    ROSWITHA DEFERSDORF, Frischer Wind für die Partnerschaft   UND
                                                       Deutlich reden - wirksam handeln                                                                  
    2 sehr hilfreiche und wohltuende Taschenbücher nicht nur bei Partnerschafts- und Erziehungs-
    problemen

    L.M MONTGOMERY,  Anne of Green Gables u.a.  -  am besten im Original
                                          Chronikles of Avonlea

    KLAUS W. HÄLBIG,  Hochzeit am Kreuz  -  Ein Weg zur Mitte (Don Bosco 39.00)
    Ein Weg zu den Quellen mit außerordentlich reichhaltigem, aber übersichtlichem Material

  30. DER MONAT TAMUS IM ZEICHEN KREBS  beginnt am 18.Juni mit dem Neumond.
    Das Biblische Zeichen zeigt die Zahl 8. Am 8. Tage ist die Auferstehung, es werden aber
    auch die ersten Tafeln zerbrochen - alles hat seinen Preis. Von den zwölf "Organen" des
    Menschen gehört hier der linke Fuß her. Wenn man "mit dem linken Fuß aufsteht", klappt
    der alte Tritt und Trott nicht mehr. Die 22 Zeichen, mit denen die originale hebräische Bibel
    gezeichnet ist, finden sich in unserer Affalterbacher Kirche und hier in dieser homepage unter
    Othijoth



   29   FRONLEICHNAM
    Wir feiern die Leibhaftigkeit Gottes,seine unverwüstliche Liebe zu dieser unserer leib-
    haftigen, korrupten, materialistischen Welt.
   Das Wort wird selbst "Fleisch", Materie, Welt, Brot. In seinen Wandlungen steckt Revolution,
   immer neue Lösung alter Verkrampfungen.
   Mag dies Welt noch so sehr in ihren Angeln kreischen, in ihren Grundfesten erschüttern,
   mag sie bis in die Kirche hinein von Macht und Mammon besessen sein, mag sie sich
   selbst zerstören und das gar  für Fortschritt halten, mag sie sich immer wieder die Seele
   ausreißen - gegen diese unwahrscheinliche Liebe kommt sie nicht an. So sehr liebt Gott
   gerade diese oft so unliebenswürdige Welt, daß er sich selbst dafür hingibt, aufgibt.

   Und hier und da findet diese Liebe auch ein Echo, zaghaft manchmal, verkrümmt und un-
   scheinbar.
   Überlassen wir den gemachten Gott den Ideologen und Rechthabern allerCouleur. Wir halten
   uns an den konkreten, den leibhaftigen, der sich nicht geniert, sich mit uns zu blamieren, der
   mit uns liebt und leidet und sich über jeden kleinen Lichtblick freut. Er begegnet uns an
   Fronleichnam und in jeder kleinen Messe in dem bescheiden flachen Brot, das nichts aus
   sich hermacht. Er begegnet uns in seinen Geschöpfen, wenn einmal die Gier nach Macht
   und Geltung und Besitz zum Schweigen kommt und einem Staunen Platz macht, einer
   bewundernden demütigen Einsicht. Vielleicht geschieht das nur in Augenblicken - aber
   deretwegen lohn es sich zu leben.



    28  PFINGSTEN    (von griech. Pentekosten)  krönt die siebenwöchige Osterzeit.
    Am 50. Tage nach dem Ausbruch aus der Knechtschaft kommt das Wort Gottes auf dem
    Sinai zur Welt. Am 50. Tage nach der Oster- Auferstehung finden die verschreckten                              
    Jünger Mut und Sprache wieder und "ganz Jeruschalaim" ein neues Hören.
    Nach der ursprünglichen Sprache in der Apg. klingt das etwa so:


    PFINGSTEN KOMMT -                            
    an einem Ort versammelt alles.          
    Da - Braus und Sturm                      
    vom Himmel her,                                    
    vor Fülle summt's                                  
    im ganzen Haus.
    Und Feuer                                                Und steht und wundert sich:
    aus dem Feuer spricht's,                      Sind's Kelten nicht aus dem Galil?
    spricht Feuersprachen                          Aus Wogenland sie alle?
    durch den ganzen Raum                      Wiehören wir sie denn in unsrer Muttersprache,
    RUACH HA KODESCH                         Grad in der Mutter unsrer Sprachen?
    Geist des Heil'gen
    kommt herab                                           Sind wir denn nicht mehr
    geistvoll wird alles.                                 Poras und Modai,
    Und angefüllt mit diesem Geist           nicht Judenland, nicht Kapados,
    spricht es aus ihnen,                             vom Helespont nicht oder Asen?
    bricht hervor                                             Aus Phrygien, Pamphylien, Ägypten oder Libyen,
    wie's ihnen kommt                                 von Zyperland und gar aus Rom?
    in fremden Sprachen.                            Jehuda oder Prosely Kreti, Plethi -
                                                                       alle hören
   Und voll ist ganz Jeruschalajim            in eigner, tief ureigner Sprache,
   mit Dank, mit Jehuda                              wie sie die Taten Gottes künden.        Apg.2,1-11
   aus jedem Volk.  
   Und ob des Brausens strömt's
   an einen Ort und hört -
   hört eigne Sprache,
   tief im Innern eigne Sprache.



   27. Wo sich berühren Raum und Zeit
    am Kreuzpunkt der Unendlichkeit
    ein Pünktchen im Vorüberschweben
    das ist der Stern auf dem wir leben

   Wo kam das her wohin wird das wohl gehen
   was hier verlischt wo mag das auferstehen
   ein Mann ein Fels ein Käfer eine Lilie
   sind Kinder einer einzigen Familie

   Das All ist eins was Gestern heißt und Morgen
   ist nur das Heute unsrem Blick verborgen
   ein Korn im Stundenglase der Äonen
   ist diese Gegenwart die wir bewohnen.                   Mascha Kaléko







   26.  HIMMELFAHRT         Schlüsselsatz ist in Apg 1,10 : Was starrt Ihr in den Himmel?
    Der den Ihr da auffahren seht, der kommt doch wieder runter. Damit korrespondiert Joh 3, wo
    Jesus dem Nikodemus sagt: Wer in den Himmel aufsteigen will, muß auch aus dem Him-
    mel runterkommen.    Kurz gesagt, unser Ziel ist nicht  "in den Himmel zu kommen", sondern
    den Weg zwischen Himmel und Welt begehbar zu halten.


    25. LESENSWERT:   Friedrich Weinreb, Die Freuden Hiobs


   24. 8.MAI       Ende des Weltkrieges
    Was haben wir damals geschworen?  Niemals wieder Krieg mit uns!  Nun, dann kam die
    Nato als "Verteidigungsbündnis". Dann kam die Wiederaufrüstung. Dann kamen die Basen
    für arische Angriffskriege - und jetzt mischen wir selber endlich wieder mit - vorläufig nur
    als Juniorpartner. Aber wartet nur ab, bald sind wir wieder die Akteure!  An deutschem Wesen
    soll die Welt genesen - wir können und können es halt nicht lassen. Dafür lassen wir die paar
    Linken zum Ausgleich schmoren - warum sind sie auch nicht wie wir!



  23.  IM MAI     -   richtiger: im Zeichen Stier schöpft Gott die Welt, und zwar im 3. Drittel.

     Die Weltzeiten gehen dann linksrum: nach dem Stier kommt das Lamm, dann die Fische,

     dann der Wassermann, das sind die 4 sogenannten "weiblichen", besser wässrigen

    Zeichen. Ihnen gegenüber stehen die drei "männlichen", besser feurigen: Adler (Skorpion),

    Waage und Jungfrau, dazwischen aufgeteilt in 2 und 3 die 5 "kindlichen": Steinbock-

    Schütze und Löwe, Krebs, Zwillinge. Unsere heutigen Horoskope sind halt nur ein paar

    gekittete Scherben früherer Weisheit.


  22.   GEDENKEN AN DIE OPFER DER SCHOA                  15.April

     Wer gedenkt gern seiner alten Sünden? Aber Sünden sind dafür da, daß sie vergeben werden,

     und daß aus der Vergebung Liebe und Erbarmen wird. "Wem nichts zu vergeben ist, der kann

     auch nicht lieben" - sagt Jesus überdeutlich. Wir könnten mal damit anfangen, die Kata-

     strophe, in der wir das jüdische Volk auszurotten suchten, als solche zu benennen. Schoa

     heißt Katastrophe. Das englische Wort Holocaust = Brandopfer ist nicht angemessen.

     Und wir könnten uns vorsichtig dem göttlichen Wort erschließen, das nun mal in Hebräisch

     an uns ergangen ist.



    Die Ausrottung alles lebendig Hebräischen ist die Ausrottung unserer eigenen Seele. Daß

    man gleich am Beginn des Christentums die Sprache Abrahams und Jesu für eine tote

    erklärte und mihilfe lateinischer Grammatik aus allerlei Scherben zu rekonstruieren

    suchte,  ist die Grundlage aller abendländischen Pogrome und zugleich Ausdruck eines merk-

    würdigen Hasses gegen uns selbst. Die neuerlichen Beschwörungen von jüdisch-christlichen

    Wurzeln sind pures Geschwafel. Hebräisch ist nicht nur eine sehr lebendige Sprache

    und Weltanschauung. Wir haben auch lebendige Nachbarn, von denen wir  lernen könnten.

    Das wäre eine wahrhafte Erneuerung. Die könnte sogar unsere gottlosen Strukturspiele

    vergebbar oder überflüssig machen.



                                                    ****************************



    LIEBE DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST



    Eben: Wie dich selbst.

    Du bist einmalig, du bist du, bis in die Finger- und Genabdrücke. Die Liebe fängt nun

    damit an, daß du den anderen auch ihn selbst sein läßt. Er ist er oder sie ist sie. Wenn

    du ihn besuchst, denke daran, du bist in  s e i n e m  Haus, ein Gast. Wenn er dich besucht,

    sei aufmerksam gegen deinen Gast, vereinnahme ihn nicht. Jeder achte die Gewohnheiten
    
    des Anderen, sein Wohnen und seinen Geschmack. Du mußt nicht von seinen Speisen essen

    und  oder seine Bräuche nachahmen - das wäre Mimikry, du kannst es aber, wenn erdich einlädt

    und es dir willkommen ist.

  
    Interessiere dich für sein Leben,seinen Glauben, seine Gewohnheiten, erzähle ihm von

    deinen - aber nur, wenn es ihn interessiert. Versuche nicht, ihn zu bekehren und lasse dich

    nicht von deiner Wurzel wegziehen.

   Gott liebt es doch, wenn alles bunt ist,verschieden wie Sand am Meer und Sterne am Himmel.



                                                >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
                                    
    
    Anne of Greengables

   2 alte Geschwister wollten einen tüchtigen Jungen aus dem Waisenhaus, der in der Wirt-

   schaft helfen könnte. Es gibt eine Verwechslung und sie bekommen ein unbrauchbares,

   geradezu verschrobenes Mädchen. "Zu was soll die gut sein?" fragt die praktische Marilla.

   "Nun,vielleicht können wir ein bißchen gut   zu ihr sein" sagt ihr sonst so schweigsamer

   Bruder.

   Ein vergnügliches Buch, im kanadoenglischen Original noch besser als in der Übersetzung.



                                                     >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>



   PETRI STUHL                        22.Februar


   Im Römischen Brauch stellte man dem Toten zu seinem Jahrtag einen schmalen Stuhl auf.

   War das Todesdatum nicht bekannt oder ungeschickt, nahm man die Iden des letzten

   Monats. Die Verbindung mit der Kathedra, dem Lehrstuhl des Papstes ist in späterer Zeit

   aufgekommen.




   ASCHERMITTWOCH            21.Februar


   Aus zwei Komponenten wird der Mensch geschaffen: aus dem Staub oder "Stoff" der Adama,

   der Gotteswelt, sprich: aller Geschöpfe und dem Lebendigen Atem Gottes. Diese beiden "Eltern"

   sollte er nicht vergessen. Es ist wichtig, dem Vergänglichen und dem Unvergänglichen

   den jeweils zukommenden Platz einzuräumen.






   PAULI BEKEHRUNG            25.Januar


   Bei Jesus, bei Johannes dem Täufer, bei den Propheten geht es um die Umkehr im

   Prinzip, um das Schuwscheschuw als d i e  Lebensform. Saulus-Paulus exerziert

   scheinbar die  e i n e  große Wende, eben die Bekehrung, wie sie den Arianischen

   dann geläufig ist:: "Beuge dich du stolzer Sygambrer. Bete an, was du verbrannt und

   verbrenne was du angebetet hast". Gerade Paulus ist allerdings vergleichsweise

   schwer aus den Rezeptionsschichten herauszulösen. Er ist den "Bildermachern"

   ähnlich wie Jesus zum Opfer gefallen.




FABIAN SEBASTIAN                20. Januar  



   Der Römische Bischof Fabian fiel der Decianischen Verfolgung zum Opfer (250), der

   Mailändische Offizier Sebastian der Diökletianischen (310).  Man hätte nur ein paar

   Weihrauchkörner vor dem Bild des Kaisers aufrauchen lassen müssen, um Ruhe

   zu haben. Die Martyrer der frühen Zeit wußten noch, das der Teufel nicht unbedingt

   bei großen Entscheidungen Pate steht, sondern die Salami-Taktik bevorzugt.




  HILARIUS                                  13. Januar    (Anfang 4. Jh.)

  Einer der wenigen, wenn nicht der einzige Bischof im Abendland, der nicht arianisch wurde.

  Der Arianismus ist die kirchliche Form und auch der Ausgangspunkt des politischen

  Ariertums (Herrschaft einer Herrenrasse oder -klasse), strikte Subordination, Führerprinzip).

  Der Erbe des Hilarius von Poitiers ist Martin von Tours.





   GOTTES ABENTEUER


    Die Schriftgelehrten aller Zeiten, ob Juden, Christen oder Heiden, setzen ihr Leben und

    Wissen daran, aus der Bibel, dem lebendigen Wort Gotte ein Sammelsurium von Bruch-

    stücken aus allen möglichen Sprachen und Kulturen zu machen. Mit Hilfe der Lateinischen

    Grammatik und ihrer eigenen "historisch-kritischen" Vernunft suchen sie dann selbstlos

     zu retten was zu retten ist. Das ist nicht viel, vor allem kein Geist.

     Was Wunder, so töten sie auch religiöse Feste und leiten sie von gewesenen oder kon-

     struierten heidnischen Bräuchen ab. Ostern etwa soll verweisen auf eine Frühlingsgöttin

     Ostera, Weihnachten auf nordische Julklaps oder römische Sol-Invictus-Feiern.

     Schriftgelehrte schrecken nicht mal davor zurück, aus dem lebendigen Gott einen Popanz

     zu machen, eine Art Patchwork aus Vernunft, Allmacht und Berechnung.


    Grundlage des Weihnachtsfestes ist Chanukka, die Erneuerung des Menschen aus der

    unüberwindlichen Sehnsucht Gottes nach Abenteuer und einem unberechenbaren

    Gegenüber.



    Wenn Gott die Schöpfung der Welt und des Menschen plant, erschrecken die Engel, so sagt

   die Biblische Überlieferung. Ja, sie sind hell entsetzt und bringen sehr vernünftige Einwände:

   der Mensch wird Dich nicht achten und ehren, allenfalls noch fürchten. Er wird weder Dir

   noch der Vernunft folgen. Er wird sich selbst und seinen Mitgeschöpfen zur Plage.... Du hast

   doch uns. In uns kannst Du Dich sehen wie in einem klaren Spiegel - in all Deiner Größe

   und Ehre.



   Gott zögert. Er hält sich durchaus nicht für allwissend und unfehlbar. Und dann versucht er es

   mit einer Welt nach Vorstellung der Engel, geordnet nach Gesetz und Gerechtigkeit und

   Wahrheit, mit klaren Hierarchien und Subordinationen. Die Sterne haben ihre Bahnen, kein

   Grashalm  und kein Tier kann aus seiner Art. Aber diese Art Welt kann nicht bestehen. Es

   ist wie bei einem exquisiten Gericht, die Zutaten sind bestens, die Verhältnisse stimmen -

   aber es fehlt eine Klitzekleinigkeit, eine Prise Irgendwas, ein Hauch von Phantasie und

   Überraschung.



   974 Vorwelten schafft Gott, so heißt es. Eine Serie von "trial and error". Dann wechselt er vom

   Thron der Gerechtigkeit auf den Schemel der Gnade. Er legt all seine hehren Eigenschaften

   ab, seine Ehre und Allmacht und seine Vernunft. Im Zeichen der 26, im Namen JHWH --

   10-5-6-5 -- bringt er das Abenteuer ins Weltgericht, die Unberechenbarkeit des Menschen.



   An Moses zieht Gott vorüber in jener Stimme schwebenden Schweigens und proklamiert

   die 13 Eigenschaften, die ihm bleiben: warmherzig, gütig, gnädig, langmütig .... und immer

   wieder: überraschend. Er setzt auf Gegenwart und Zuneigung, er rettet das Verlorene heim,

   er sucht das Gespräch mit einem gleichrangigen Partner.

   Ihr seid wunderbar, sagt er den Engeln. Kein Makel ist an euch, ihr gehorcht, bevor ich etwas

   sagen kann. Ich sehe mich wie in einem klaren Spiegel, gewiß. Aber wo ist das Pritzeln?

   Das Abenteuer ist der Mensch mir gegenüber. Er wird sündigen, er wird meine Welt und

   sogar mein Heiligtum zerstören. Er wird uns allen auf den Geist gehen, gewiß. Er kann aber

   auch lieben und sich sehnen. Er kann seine Pläne umwerfen und die Kurve kriegen. Er kann

   auf seine Ehre und sein Ansehen pfeifen - wie ich. Er ist unberechenbar im Guten und im

   Bösen. Er ist mir gleich - Adam.



   Nun, wir wissen, die Geschichte kommt Gott teuer zu stehen. Zuerst macht ein Drittel der Engel

   einen Aufstand und kämpft gegen Gott für Gottes Ehre. Und seine treuesten Diener unter den

   Menschen haben es dann auch wichtiger, Gottes Ehre zu mehren als seine Liebe zu feiern.

   Und Gott kann sich nicht verteidigen. Er hat ja seine Übermacht abgelegt. Und irgendwie muß

   er ja den vernünftigen Kritikern recht geben. Aber was ist Rechthaben gegen Liebe? Ob der

   Mensch wohl zum Lieben kommt? Und dazu, sich lieben zu lassen wiie David?

   Die Bibel ist voll von den Enttäuschungen und Leiden dieser abenteuerlichen Beziehung, aber

   auch von deren Wärme, von der Glut unter der Asche. Die scheint sogar noch hindurch durch

   die miserabelsten Fassungen der Schriftgelehrten. Hier und da blitzt es auf wie Gold und

   Silber unterm Bärenpelz, wie ein heller Stern in dunkler Nacht. Wie die Botschaft von Weih-

   nachten, von der immerwährenden Erneuerung des Menschen.



   42 Geburten, oft schwere Geburten, zählt Matthäus von Abraham bis Josef auf, ehe es zur

   Geburt des Messias kommen kann.. 42 Strahlen hat der Stern der Könige, denn Kochab=

   Stern schreibt sich 20-20-2. 42 Stationen führen aus Mizraim, der Welt der Fremdbestimmung,

   durch das Gespräch der Wüste bis in das Eigene Land, die Welt der Mensch- und Selbstwerdung.



   78 Geburten und Geburtswehen gar kennt Lukas von Jesus aufwärts bis zur Geburt Adams aus

   Gott. Und beide Geburtsreihen haben ein inneres Muster, eine geheime Grundformel. Bei

   Matthäus weist das Evangelium selbst darauf hin: es ist der dreifache Name David, geschrie-

   ben 4-6-4=14, gedeutet: Gekiebt, angenommen, akzepziert. Davids Sohn, geliebter Sohn

   wird Jesus gerufen.  



   Im dritten Kapitel des Lukas ist es der Heilige Name JHWH - 10-5-6-5=26, der die 78er-

   reihe drittelt und ihr Grundmuster bildet.. Er ist vollkommene Gegenwart, Überraschung,

   Phantasie - so kann man diesen Namen aller Namen unvollkommen wiedergeben.

   Es geht um das Abenteuer, das Gott sich selbst und seiner geliebten Welt zumutet.. Nicht nur

   einmal, nicht nur 42 oder 78 mal.In diesen Zeichen aber konkretisiert es sich, bekommt Rhyth-

   mus und Melodie: Ich bin geliebt, angenommen, so wie ich bin - das ist der Akkord im Namen

   David. ER ist da, vollkommen gegenwärtig und für Überraschungen gut - das ist die Grund-

   stimmung JHWH.



   Diese Geburten - Tholedoth in biblischer Sprache - sind keine "Stammbäume". Sie sind das

   Lied des Lebens, das die Priester auf den Stufen zwischen Innerem und Äußerem Heiligtum

   singen. Damit halten sie die Welt in Gang und erfrischen sie. Wie dnn auch das Hohelied",

   das Schir-ha-Schirim Salomos, das Liebeslied zwischen Gott und seiner Schöpfung,  in der

   oriinalen Bibel als das Heiligste vom Heiligen, Kern vom Kern gilt, Pulsschlag von Zeit und

   Ewigkeit.



   Natürlich hat Jesus historisch gelebt, an historischen Orten und mit historischen Vorfahren.

   Das ist so selbstverständlich, das man es nicht groß erwähnen muß.

   Daß er immer aufs Neue geboren wird, lebt, leidet und sich freut, stirbt und aufersteht - er in uns,

   wir in ihm - darauf kommt es doch an.

   Und Gott freut sich wie ein Kind, wenn es zur Neugeburt kommt, wenn auch in uns etwas jung

   wird, wenn das Kind die Verhärtungen und Krusten des Erwachsenen durchbricht, wenn wir

   in Staunen und Sehnen, in Hoffen und Zweifeln, in Fallen und Aufstehen neuen Mut schöpfen.

   Wenn wir nach und nach Mensch werden mit eigenem Gesicht - Adamssöhne, Evastöchter,

   Gotteskinder. Er freut sich, wenn unsere Welt sich bunt färbt in allen Regenbogenfarben ver-

   trauter Gewohnheiten und überraschender Aufbrüche.



   Gesegnete Weihnachten

  

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   LESE-EMPFEHLUNGEN



    Friedrich Weinreb, Frömmigkeit heute   oder:   Gedanken zu Tod und Leben

    Manes Sperber, Wie eine Träne im Ozean



    
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  BERNWARD VON HILDESHEIM     20. November



    Auf das Jahr 1000 zu gab es eine gewaltige Erwartung, nun werde der Satan gefesselt und

    das Reich Gottes auf Erden nähme seinen sichtbaren Anfang. Die Ottonischen Kaiser

    wollten da tatkräftig zu beitragen, gestützt auf die Bischöfe, von denen man meinte, sie

    seien wegen des Mangels leibhaftiger Erben weniger macht- und herrschsüchtig als die

    weltlichen Fürsten. In dem früh verwaisten Kind Otto III wollte man den Kommenden Messias

    sehen. Zu seinem Erzieher wurde Bernward berufen. Er verdiente sich hohen Dank, ließ sich

    aber nicht in die religiös verbrämte Politik einspannen. Das taten andere, zB. der Erzbischof

    Willigis von Mainz. Der verstand Bernwards  Enthaltung von Machtstreben als einen stummen und

    doch beredten persönlichen Vorwurf gegen seine eigene Gier. Außerdem hasste er den

    Bernward, weil der die Juden nicht hasste und sogar davon ausging, daß der Messias

    nur kommen könne, wenn Juden und Christen einander achteten. (Unter Kahal - Gemeind-

    liches findet sich dazu ein Bild aus Bernwards Evangeliar)




  KREUZERHÖHUNG                         14. September


    Das Kreuz bestimmt von Anfang an die Struktur der Schöpfung. Das liegende Kreuz

    erscheint in den 4 Strömen, die aus dem einen Quell des Paradieses hervorgehen

    und erstreckt sich in die 4 Himmelsrichtungen.  Das aufgrichtete oder erhöhte Kreuz                      

    verbindet in der Vertikalen Himmel und Erde und umspannt in der Horizontalen die Welt

    mit all ihren Erscheinungen. Wo sich die zwei Achsen schneiden, entsteht der Augenblick,

   die Gegenwart (das "Ewige"). Täglich sein Kreuz aufnehmen bedeutet also: verlier dich

   nicht im Horizont dieser Welt mit ihren Globalismen ihrem Historismus oder Moralis-

   mus , ihrer Ehrenkäsigkeit und Herrschsucht - aber verachte sie auch nicht, denn Gott hat                  

  doch gerade diese  Weltso lieb. Schneide sie mit der Vertikalen, mit deiner Aufrichtung,                  

   werde zur Achse zwiischen Himmel und Erde. Dann entsteht das segenspendende Kreuz                

   und der alleinseligmachende Augenblick. Das ist auch gemeint, wenn Gott zum frischge-

   schaffenen Menschen sagt: "redu"- steige hunab zu den Fischen im Meer, den Vögeln in

   der Luft usw. bis hin zu dem, was sich auf Erden wurmt. Erst arianische Schriftgelehrte                

   haben aus dem "Hinabsteigen zu" ein "Herrschen" über gemacht




  PAULINUS VON TRIER                   31.August


    Er war der einzige, der dagegen stimmte, Als auf der Synode von Arles das ganze Abendland

    arianisch wurde. Dafür wurde er in die Wüste geschickt. Der Arianismus lehrt die Unterord-

    nung des Sohnes unter den Vater und als politische Konsequenz daraus die Hierarchie

    bzw. das Führerprinzip.




   MARIAE HIMMELFAHRT                 15. August


   In der Hauptsache schöpft ELOHIM Himmel UND Welt. Die Welt für sich allein ist Tohuwa-

   bohu, Finsternis überm Abgrund... so beginnt die Bibel. Himmel und Welt zusammenzuhalten

   ist die Berufung des Menschen. Er ist geradezu das UND (biblisch das Zeichen Waf 6).

   So feiern wir neben der Himmel- (und Höllen-)fahrt Jesu die Himmelfahrt des Elias und

   vor allem der Muttergottes. Zu diesem Fest spiegeln sich die Himmelssterne in den Erden-

   kräutern und verleihen ihnen Heilkraft und Würze. Seit alters trägt man Kräuterbuschen

   zum Segen in die Kirche.





   IGNATIUS VON LOYAOLA               31.Juli


   Der spanische Edelmann wurde durch einen Knieschuss aus seiner soldatischen Laufbahn

   geworfen und gründete dann die Compania de Jesu, einen militärisch geordneten Elite-

   orden mit absolutem Gehorsam. Den Jesuiten gelang es, in der sogenannten Gegenrefor

   mation, weite Teile des deutschsprachigen Raumes, besonders Österreich, Bayern und

   das Rheinland für den Katholizismus zurückzugewinnen. Der trägt dann auch das jesuiten-

   barocke Gepräge bis heute (die imposantesten Marmorfassaden aus Sperrholz und Gips).





   MARGARETA         20.Juli



   Martyrin, Jungfrau, eine von den 14. Nothelfern.  Die Legende schreibt ihr die Zähmung des

   Drachens zu. Unter den verschiedenen Versionen ist die besonders schön, die sie mit dem

   Hl. Georg zusammenbringt:         Georg kommt in eine schwarzverhängte Stadt. Alles heult in

   großer Trauer. Denn an diesem Tage verfüttert man das letzte Kind an den Drachen, der die

   Stadt beherrscht. Es ist die Königstochter Margareta. Sie sitzt schon auf dem Berg, ihr Schick-

   sal zu erwarten. Erst hat man dem Drachen die Lämmer geopfert, dann die Kinder, von nun

   an geht es den Erwachsenen an den Kragen. Darum die große Trauer. Georg fragt, warum sie

   sich denn gar nicht wehren, warum sie nicht um ihre Kinder gekämpft haben, warum sie es

   nicht wenigstens jetzt tun. Er stößt auf Unverständnis. Dann würde es nur noch schlimmer.

   St. Jörg läßt sie stehen und zieht in den Kampf. Ein gewaltiges Ringen hebt an. Endlich

   obsiegt der Held. Ehe er aber zum letzten Stoß gegen das geschwächte Untier ausholen

   kann, fällt ihm Margareta in den Arm und nimmt den Drachen an die Leine.


   So ziehen sie zur Stadt hinunter. Und Gott sei Dank haben sie den Drachen dabei, denn die

   Befreiten haben sich schon zusammengerottet, um den Befreier samt der geretteten Prin-

   zessin zu erschlagen. Sie fürchten die Freiheit mehr als die schrecklichste Tyrannei.

   Merke: es ist gut, einen gezähmten Drachen dabei zu haben, wenn du Leuten begegnest,,

   die dir was verdanken. Und eine kluge Frau ist ein Gottessegen.

   Übrigens ist es sicher kein Zufall, daß der kleine Aufstand der Deutschlands Ehre rettete,

   am Margaretentag war. Aber die Helden hatten wohl keine kluge Frau dabei und keinen Drachen.





  MARIA MAGDALENA    (Maria vom Turm)   22.Juli


   Sie galt der alten Kirche als Apostollin der Apostel, als die Kronzeugin der Auferstehung. 7 mal

   -so die Überlieferung - muß Jesus sie aus regelrechten Besessenheiten rausholen. Er selbst

   stellt sie vor als DIE große Liebende: Ihr müssen viele Sünden vergeben worden sein, sonst

   könnte sie nicht so viel lieben. Bei wem nichts zu vergeben ist, bei dem findet man auch keine

   Liebe".



   Sünden als solche interessieren Jesus so wenig wie Gott selbst, sie sind nichts anderes als

   das notwendige Ausgangsmaterial für Vergebung. So wie die Nacht dazu da ist, daß aus ihr

   der Tag geboren werden kann.

   Es ist dieses Grundgeheimnis von Vergebung und Liebe, von Wandlung und Auferstehen,

   das Jesus und diese Maria vom Turm in einer Tiefe verbindet, an die sonst nur noch sein

   Peter heranreicht, sein "Erstgeborener".


   Wenn nun kleine Geister ein großes Geheimnis wittern, das sie nicht fassen können, versu-

   chen sie, es herunterzuziehen auf das Niveau ihrer Krämerseelen.

   Die äthiopischen Könige führten ihren Ursprung auf die Begegnung der Königin von Saba mit

   Salomo zurück, die christlichen Merowinger sahen ihren Wurzelgrund in der Verbindung Mag-

   dalenas mit Jesus. So wie Jesus den Täufer aus Elias, sich selbst aus Adam geboren sieht.

   Was anfangs mythisch gemeint ist, als geistiges Erbgut, wird dann von frommen und unfrom-

   men Kleingeistern auf ihr schlichtes biologistisch-historistisches Maß verkürzt und einge-

   scannt in das Prokustesbett ihres Horizonts.

   Es gab übrigens auch eine Zeit, da hat man die große Liebende nur als Büßerin sehen wollen,

   sie degradierte  zur Namengeberin für Korrektionshäuser, in denen man gefallene Mädchen

   und unfolgsame Ehefrauen in die Asche stieß. O tempora o mores.




  JAKOBUS     25. Juli


   Er leitet die erste Gemeinde in Jerusalem. Und er findet den Ausgleich zwischen "jüdischem"

   Formalismus und "heidnischer" Disziplinlosigkeit, einen Kompromiß, den kleinsten ge-

   meinsamen Nenner des Christlichen (Apg 15,20)


              1. Hüte dich vor toten Überzeugungen  (vor "Ersticktem")


              2. Hüte dich vor jeder Form von Ideologie und erstarrten Dogmen  ( "Götzenopferfleisch)


              3. Sei nicht beziehungslos, "objektiv", wissenschaftlich distanziert, laß dir etwas

                  nahe gehen   ( keine "Unzucht")




   ANNA      26. Juli



   Der Überlieferung nach ist sie die GROSSE MUTTER, die "Großmutter" Jesu und Gottes

   "weibliche Seite".

   974 Welten schöpft Gott Elohim, gegründet auf Recht und Gerechtigkeit. Sie implodieren unter

   ihrem eigenen Gewicht. Dann gibt Anna ihm als Stichwort ihren eigenen Namen: Chanah=

   Gnade, Liebe. Und Gott wechselt vom Thron der Gerchtigkeit auf den Schemel der Liebe -

   und siehe da, die Welt kann sein im Zeichen der 26, dem Namen JHWH (10+5+6+5).

   Sie quietscht und eiert, diese Welt. Sie strotzt nur so von Sünden, Rechthaberei und Gier.

   Sie ist voller Arier mit Minderwertigkeitskomplexen, voller Kleinmut, Dummheit und Mittel-

   maß, ein Tal in Blut und Tränen - aber sie kennt auch Liebe und Vergebung, Wandlung

   und Auferstehen. Deswegen hat Gott  DIESE Welt so lieb. - Wir auch?



                                                            >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

  



   LESETIPS: Diese Engländer las schon GOETHE MIT VERGNÜGEN:

  Charles Dickens, David Copperfield,      Walter Scott, Ivanhoe        Henry Fielding,  Tom Jones


   Ernsthaft und ungewohnt dicht, aber gut lesbar in schmalen Bändchen:
  
   Friedrich Weinreb,    Gotteserfahrung  oder: Gott-Mutter.    

   Zum leichteren Einstieg in biblisches Denken:

   Friedrich Weinreb, Das Markusevangelium    oder seine diversen biographischen Bücher, z.B.:

   Von Engeln und Menschen. Und am Lohnensten: Die Freuden Hiobs


   SEHR GUT LESBAR: ECKART TOLLE, EINE NEUE ERDE  und   LEBEN JETZT


   DAS Sommerbuch: Astrid Lindgren, Ferien auf Saltrokan



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  LEIB - SEELE- GEIST      Zu Pfingsten, Dreifaltigkeit und Fronleichnam



  Der Mensch hat nicht nur, er IST eine dreifaltige Seele.

  Eigentlich klar, ist er doch in der Demut, im Bilde des dreifaltigen Gottes geschaffen. Ausgangs-

  punkt ist Gen 2,7: "Da bildet JHWH-Elohim den Adam aus dem Staub der Adama und haucht

  ihm ins Antlitz Neschama-chajim, Odem des Lebens, und so wird der Adam, der Mensch zu

  einer Nefesch-chaja, zu einer lebenden Seele."

  

  Die Biblische Überlieferung sieht den Menschen so:

                                  

            Neschama        =           Odem Gottes>

            Ruach                =           verbindender Geist>           > >>> Gwi / Guf = Körper / Materie

            Nefesch             =           Leib / Leben / Seele>



  Der Ausdruck Nefesch, Seele wird z.B. gebraucht im Sinne von: ein Dorf hat soundsoviele

  Seelen. Nefesch hat, richtiger ist natürlich auch das Tier, die Pflanze, der Stein, sonst wären sie      

  ja reine Golems oder Dummies.

  Um aber Teil am Odem Gottes zu haben, braucht die übrige Schöpfung den Menschen, den

  aufgerichteten Adam. Wenn dieser nun seine Demut, seine Gottebenbildlichkeit veräußert,

  wenn er atemlos wird, wenn sein Geist sich runterziehen läßt vom  Materiellen, statt daß er
  
  dieses an den Himmel bindet, dann leidet die ganze Schöpfung, dann liegt sie in Wehen, bis

  die Fesseln des Adam gelöst werden.

  Die Nefesch, die Seele bildet sich ihren Körper: Anima forma corporis. Die dreifaltige

  Menschenseele bildet sich den Tempel des Leibes oder des Lebens.

  Die leibhaftige Auferstehung ist nicht dasselbe wie eine materielle. Der materielle Körper hat aus-

  gedient, kehrt zurück zum Staub der Adama. Das sind die "Binden", die im Grab liegen bleiben.

  Die leibhaftige Seele baut sich ein neues, ein  nicht aus Materie gebautes Haus.

  Wie heißt es doch im Osterlied : Der Leib empfindet nimmer Leid, bleibt unverletzt in Ewigkeit.



  Darum müssen die Jünger immer wieder neu hinschauen, erkennen den Auferstandenen, dann

  wieder nicht und dann wieder doch. Darum kann der Auferstandene durch geschlossene Türen

  gehen und doch auch angefaßt werden. Er kann essen, muß aber nicht. Er kann hier sein und

  bei Moses und Elias, bei Abraham und den noch Ungeborenen, In der Hölle, im Himmel und

  auf Erden, überall und überall zugleich.

  Das ist Gottes Klarheit, seine Überlieferung, die sich natürlich auch in allen möglichen Philo-

  sophien, Religionen und Anschauungen in mehr oder minder deutlichen Bruchstücken spiegelt.



  Und so ganz nebenbei lernen wir hier, woher das schöne, irgendwie deutsch anmutende und

  scheinbar nicht ethymologisierbare Wort Demut kommt: Es steht in Gen 1,26 und 27, buch-  

  stäblich und in Gottes eigener Sprache:

  Elohim schöpft den Menschen, den A-dam aus der A-dam-a, und zwar be-zelem-nu und

  be-demut-nu, "in unserem Bild und unserem Gleichnis". Demut hat also gar nichts mit Leise-

  treterei,  schiefem Kopf oder gar Unterwürfigkeit zu tun. Weil der wahre, der aufgerichtete Mensch

  Gott gleicht, braucht er sich nicht groß zu machen, er ist es ja schon. "Er hält nicht einmal daran

  fest, Gott gleich zu sein", wie es im Epheserhymnus heißt.

  Nur der Starke muß sich seiner Schwäche nicht schämen, kann nachgiebig sein und gönnen. Er

  ist nach Gottes Wunsch wie ein Lamm, ein Gotteslamm zur Welt.



  So steht es doch auch in Gen 1,27: Kiwßua, seid wie ein Lamm zur Erde. Nicht: Macht euch

  die Erde untertan! Das müßte Kiwschua heißen, und so lesen die Masoreten, diese schreck-

  lichen "Schriftgelehrten", mit denen Jesus naturgemäß gar nicht kann. Und so übersetzen

  die Arianer aller Zeiten. Sie übersetzen aus der Masora, nicht aus der Tora, der echten Bibel.

  

  Ehe wir aber über diese Armen, die es doch gut meinen, wenn sie Gottes eigenes Wort

  auf ihren eigenen Leisten spannen, den Stab brechen, wollen wir noch eine weitere biblische

  Weisheit lernen: Aus allem, sogar aus denen kann noch was werden:

  "Wenn ein Schriftgelehrter umkehrt und ein Jünger, ein Lehrling des Himmels wird, gewinnt

  er einen reichen Schatz, aus dem er Neues und Altes hervorholt". So das Evangelium.

  


   HIMMELFAHRT     Do. 25. Mai

  40 Tage nach Ostern feiern wir dieses schöne Fest. Es teilt die 5o tägige Osterzeit im Verhältnis
  von 4:1. Das Geheimnis der Quintessenz wird von Josef dem Pharao gegen seine Alptäume von
  den mageren Kühen gegeben, die die fetten verschlingen. Er sagt: starre nicht nur auf die Zeit,
  die steckt in der 4, der 40 oder der 400 und ist zum Verbrauch da. Aber da ist auch die Eins den
  Vieren gegenüber, die hat das Bleibende. Wir finden diese Lehre auch inden 4 Weltströmen, die
  in dem einen Paradies Ursprung und Ziel haben. Und wir haben sie in der Hand, denn der Dau-
  men gegenüber den 4 Fingern macht die Hand erts zur Hand, läßt sie greifen und begreifen.

  ALKUIN      19..Mai

  Alkuin von York war Bischof un zeitweise einer der Großen am Hofe Karls. Er weihte kurz vor 800    
  unsere St. Martins-Urkirche in Siegelhausen. Immerhin war unser ganzes Gäu 75o Jahre
  fränkisch - römisch nur grad mal 150 Jahre                                                      

  ATHANASIUS   2. Mai

  kämpft um 300 herum für den rechten Glauben und eine katholische Kirche. Mit Kaiser Konstantin
  kommt die Kirche doch nicht nur aus Untergrund und Verfolgung heraus, sie wiird ja Teil und Stütze
  staatlicher Macht, bald auch selbst Verfolgerin und Staat. Macht korrumpiert.
  Und so macht sich der Arianismus breit. Dessen wesentliches Merkmal ist die Subordination,
  Über- und Unterordnung, praktisch das Führerprinzip. Das wird geradezu für göttlich und heilig
  erklärt.
  Konstantin ist überraschend tolerant oder gleichgültig bei der Frage, auf welche Seite sich die
  Kirche neigt, Hauptsache sie ist einig, denn sonst hat er an ihr keine Stütze. Er verbannt die
  Protagonisten abwechselnd und schließlich sperrt er die Bischöfe zum ersten Konzil ein (Nizäa
  325). Das mühsam errungene Ergebnis promulgiert er als Staatsgesetz. Wir beten es noch
  heute mit einer kleinen Ergänzung als Nizaenokonstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis.

  MAI-ANFANG

  Im Mai, so die Überlieferung, schöpft Gott aus der Tiefe seiner Liebe die Welt. Sie quietscht und
  eiert, aber sie dreht sich und wandelt sich. 974 Vorwelten, so die biblische Überleferung, hat ER
  geschaffen, alle auf Gesetz, Ordnung und Gerechtigkeit. Sie alle sind an sich selbst  zugrunde
  gegangen,  gewissermaßen implodiert.
  Dann wechselt Gott vom Thron der Gerechtigkeit auf den Schemel der Liebe. Im Zeichen der 26,
  die den Gottesnamen JHWH erzählt (10-5-6.5), schöpft er nun die Welt mit Paradies und Schlange,
  mit Sünde und Vergebung, mit Haß und Liebe, mit Tod und Auferstehung. Im ersten und zweiten      
  Kapitel der Bibel wird davon erzählt, wie Gott auch seinen Namen wechselt. Bei der Ordnung der
  7 Tage heißt er ELOHIM, Gott, Richter, Bei der Paradiesgeschichte, mit der die Zeit beginnt, hat
  er den Doppelnamen: JHWH-ELOHIM = Gott Mutter und Vater  oder Gegenwärtiger und Verborgener.