MICHAELSJAHR - 1953 wurde die Kirche in Ki gebaut, nach den Provisorien in Bu und Af die

   erste richtige, wenn auch kleine Kirche. Prompt wurde sie von Rottenburg zu Pfarrkirche der

   damals noch 5-teiligen Diasporagemeinde gemacht und gab der ihren Namen: St. Michael.

   Nach 25 Jahren - 1979 - haben wir sie vollendet und erneuert. Jetz nach 60 Jahren bekommt

   sie ein angemessenes Geläut - und wir hoffen, auch mal wieder angemessene  Besucher.




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   JOHANNESJAHR : 2012 vor 44 Jahren wurde die Affalterbacher Johanneskirche geweiht, 1997,

   also vor 15 Jahren das Gemeindehaus. Und 1962, also vor 50 Jahren eröffnete Johannes XXIII

   das 2. Vatikanische Konzil, das mit einem einmaligen Aufbruch aus den alten Kasematten

   begann. Nach seinem zu frühen Tod endete es in Bürokratismus und Episkopalismus. Nun ja,

   es hat aber mal ein Aufblühen gegeben. Und der Hebräerbrief nennt Jesus "den Anfänger"

   des Heiles - nicht den Vollender. Wir leben mehr von Anfängen als von Vollendungen. Die Voll-

   endung und Richtigstellung überlassen wir Gott.


  GEMEINDE  (biblischsch: kahal = Sammlung) ist das, was Jesus seinen Jüngern nahelegt. Eine

   weltumspannende Organisation hat dann der heidnisch-römische Kaiser Konstantin daraus

   gemacht - das hat mit Jesus nicht mehr viel zu tun. Und der Kirchenvater Ambrosius (Mailand

   um 400) baut seine Theologie auf einen Psalmvers auf : " Tochter verlasse deine Familie und

   deine Eltern - für dich gilt nichts mehr in der Welt als dein Bräutigam Christus ". Antijudaismus

   ist die stärkste Wurzel im Chhristentum, er gipfelt letztenendes im Nazireich mit dem Projekt

   "Entjudung der Kirche". 200 hochkarätige Wissenschaftler haben unsere Exegese grund-

   gelegt, z. B. in Kittels Hebräischem Lexikon, das kein originales Bibel- oder Gotteswort stehen

   lässt, sondern Hebräisch als "Tote Sprache" rekonstruiert aus Ugarith, Altbabylon oder sonstwas.

   Ecclesia quo vadis. Ist nun "vor allem das Wort" (Joh 1), das göttliche, biblische, hebräische,

   lebendige - oder das Konstrukt verklemmter Professoren?
    



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   JOSEPHS-JAHR:  1961 wurde die Josephskirche in Burgstetten geweiht. Den 50.Weihetag

   haben wir gebührend gefeiert .Seit 1945 sammelte sich nach 400jähriger Verbannung wieder

   eine Kath. Gemeinde an Murr und Lemberg. Die 66 Jahre feiertenn wir gleich ein bißle mit.

   1912 könnten wir ein "Johannesjahr"  begehen, denn vor 44 Jahren = 1968 wurde unsere

   Affalterbacher Kirche geweiht, gleich auf drei Johannesse: Zuerst dem 4. Evangelisten, mit

   ihm aber auch dem Täufer sowie Johannes dem XXIII.

   Wie Joseph heißt: Da kommt noch was - oder wer, so heißt Johannes: Gnade oder Gönnen ist

   nur bei dem, der er selber ist. Das wäre doch ein bißle Feiern wert, zumal wir schon arg ins

   Visier mißgünstiger Besatzungsmacht geraten sind. Wer hat Anregungen oder Beiträge?








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   13 ÜBERFLUTUNG

    Die Biblische Überlieferung, so alt wie die Bibel selbst, sagt: Denke hier nicht an eine

    Überschwemmung mit Wasser - es ist Überflutung durch Reize, durch Geschwätz und

    Informationen, durch Gier und Schuldgefühle. Über solche Fluten trägt dich nur  die

    Teba, das (geschriebene ) Wort. Und dahinein nimmst du alles, was zu deinem Leben

    gehört, und zwar paarweise, im Dualismus der Erscheinung.



  
   12. Der letzte Ritter Don Qichote de la Mancha zu seinem Knappen:

    Pareceme, Sancho, La misma experientia es madre de las scientias todas. -  

    Die (immer) gleiche   Erfahrung ist die Mutter aller Wissenschaften.

    Etwas freier: Alle Wissenschaft ist gefangen in den beschränkten Erfahrungen. Sie ist in der

    Regel verschlossen für Phantasie und Offenbarung.

    


    Inhaltsverzeichnis der folgenden Beiträge:

   11. Babylonische Türme

   10. Reichskristallnacht

   09. Ballade von den unglücklichen Katholiken

   08.Die Grosse Flut

   07.Religion und Commerz

   06.Moderne Wunder (11.Sept.)

   05. Nibelungentreue (20.Juli)

   04. Segen und Fluch

   03. Der gordische Knoten

   02. Die Geschichte mit der Wurzel (Donareiche)

   01. Inkulturation oder Anbiederung?



   11.Babylonische Türme:

   Eine Lieblingsbeschäftigung von Menschen und Affen. Die Affen verlieren allerdings bald die

  Geduld, Menschen geben selten auf. Pech und selbstgebackene Ziegel sind das irdene

  Material, mit dem man den Himmel erobern will. Man bekäme ihn geschenkt, wenn man

  offen wäre. Aber Sadomasochisten gibt es im Religiösen mindestens so oft wie im Erotischen.

  3 Motive - so die Biblische Überlieferung - verleiten den Menschen zur Vergewaltigung des

  Himmels: 1. Bewußtseinserweiterung z.B. durch fromme Leistungen, moralischen

  Rigorismus,ungewohnte Praktiken, fremde Gurus, allerlei Esoterisches. Folge: Verwirrung,

  Zerstreuung, Sprachdefekte.    2. Man will den Himmel benutzen, um von dort her seine

  eigenen Vorurteile, Ideologien, Dogmen, Rechthabereien mit scheinbar höherer  Autorität

  seinen Mitgeschöpfen aufzuoktroyieren. Folge: Man wird zu Affen, Nachahmern, Gleichmachern,

  Moralisten.      3. Man will den Himmel abschaffen, der ist zu offen. Alles soll in den

  geschlossenen Ring der Philosophie, Naturwissenschaft, Gewohnheit passen, die

  Schlange soll sich in den eigenen Schwanz beissen.  Folge: Mord und Totschlag, vor allem an

  allem Kindlichen, Neuen. Nicht nur Pharao will die Kinder im Strom der Zeit ertränken, viele

  Eltern können es gar nicht erwarten, ihre Kinder medienform zu zivilisieren und ihnen die

  Phantasie und Muße und den Glauben an Gott, ans Paradies,an Märchen und Träume

  auszutreiben.


   10. "Reichskristallnacht"    09./10. November 1938

   Mit dieser Aktion gegen jüdische Gotteshäuser, ihre - zugleich auch unsere - Heiligen Schriften,

   ihre Wohnungen und Familien, nicht zuletzt auch gegen ihre Lebensgrundlagen, ihre Geschäfte,

   testeten die Nazis, wieweit die Bevölkerung mitmachte. Bei allem Respekt vor denen, die sich

   weigerten, ihre Nachbarn ans Messer zu liefern oder sich wenigstens raushielten - es war eine

   verschwindende Minderheit. Das sind alte Wunden - wer weiß, vielleicht könnten sie mit der Zeit

   heilen - oder Gott könnte aus "Karmesinroten Sünden weißen Schnee oder die Lichte Wolle

   des Lammes" machen. Wie sieht es aber heute aus? Nach einer jüngsten Umfrage bekannten

   sich in Deutschland  ca 22% praktizierender (!) Christen offen als Antisemiten - wieviele mögen

   es  sein, die es nicht öffentlich raushängen? Lernen wir denn nichts dazu?


   Die Ballade von den unglücklichen Katholiken

   Saßen einst in ihren Bänken,                                         Sonntags bleibt die Simmung milde,
   von der Arbeit auszuruhn,                                                ewiger Gedanken voll.
   ließen sich vom Hirten lenken,                                       Weicht nur nach und nach dem Bilde,
   froh, einmal nicht selbst zu tun.                                      das die Woch beherrschen soll.

   Käuten würzig-herbe Kräuter                                           Aus dem Lamm wird Stieres Dräuen,
   aus dem Bibel-Bilder-Garten,                                         dann des Zwillings So und So,
   wurden auch dadurch gescheiter,                                  Krebsgang, starker Mut des Leuen,
   je für ihre Lebenssparten.                                                Jungfer ziert sich: oh, ohh, ohhh!

   Wandelt sich vor ihren Blicken                                        Waage wägt, gerät ins Schwanken,
   Mühsalbrot in Himmelsgabe,                                          Skorpion sticht selber sich,
   strecken sich gebeugte Rücken,                                    Schütze schießt ohn viel Gedanken,
   frei macht sie die Gotteslabe.                                          und der Bock kämpft fürchterlich.

   Sie verstehen tief im Herzen                                             Ausgegossen wird dir Zeit -
   ihres harten Lebens Sinn,                                                 in dem Bilde Wassermann
   tragen leichter ihre Schmerzen                                         leuchtet auf die Ewigkeit.
   zum Altare Gottes hin.                                                         Fische schwimmen ab und an,

   Heilig rührt sie das Geschehen,                                       künden von der Zeiten Ende
   tief in ihrer dumpfen Brust                                                  und vom Wandel jeden Dings.
   löset sich aus bittren Wehen                                             Seht, das Lamm bringt neu die Wende,
   kindlich Paradieseslust.                                                     wandelt sich zum Hirten rings.

   Wenig Wissen hat der Hirte,                                               Froh, des Wochenkampfes ledig,
   doch Gebet und klaren Sinn.                                              hört man aus der andren Welt,
   Das hilft allen, die er führte,                                                die, wenn werktags grad nicht nötig,
   zu den Himmelsträumen hin.                                             alles doch zusammenhält.

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   Ach, wie ist es anders heute,                                               Verfolgt,mißachtet, ausgesogen
   Schaf bist du die ganze Woch'                                             von Heiden gibt ein gut Gewissen;
   Wirtschaft, Werbung, andre Leute,                                      von Eignen übern Tisch gezogen -
   Info, Sachzwang noch und noch,                                         da wird Heiliges zerrissen.

   Disco, Fernsehn und Vereine,                                             Jetzt setzt man auf guten Willen,
   PC, E-mail, Telefon                                                                auf das Tun um jeden Preis,
   leiten dich an ihrer Leine,                                                     will Zweitausendix erfüllen,
   und die Schule durch den Sohn.                                         heute schon mit seinem Scheiß.

   Selbst die schöne Himmelsau                                            Einer reist in alle Länder,
   lockt am Sonntag dich nicht mehr.                                      daß auch noch der Letzte sieht,
   Geschorn, geneppt und alltagsgrau,                                  wie er, wenn auch gottverlassen,
   ausgepumpt und seelisch leer,                                          sich doch tapfer selber müht.
   kommst du nicht mehr aus der Not,
   schlägst - wie ist dir doch so flau -                                     Mancher bückt sich tief hinunter
   die Zeit und auch dich selber tot.                                        vor dem Zeitgeist aller Art -
                                                                                                      wenn er könnte, wie er wollte,
   Wie solltest du nach Wandlung dürsten,                          wäre sein Regieren hart.
   wie nach der sanften Sonntagsruh?
   Du hörst ja nur dem Höllenfürsten,                                    Mancher Priester wirft in Hektik
   dem Großegalisator zu.                                                        mehr um, als er je gebaut,
                                                                                                      und belastet die Gemeinde
   Zwar, das kannst du für dich buchen,                                Weh-Weh-leidig überlaut.
   ist die Kirch' sie selbst nicht mehr,
   und du müßtest lange suchen,                                           Trostlos steht er am Altare,
   ob ein Hirt noch gläubig wär'.                                               ein verirter Lämmerdieb,
                                                                                                      stochert in der Hökerware,
   Sie hat selbst damit begonnen,                                          die aus Studientagen blieb.
   abzuwracken Stück um Stück,
   statt bei Gottes Himmelssonnen                                       Paradigma, histokritisch,
   sucht sie anderswo das Glück.                                          kaut er unverdauten Mist,
                                                                                                     der von Affen ausgeschieden,
   Hier wird darauf losverwaltet                                              nun bei ihm gelandet ist.
   nach dem Bild von Vater Staat.
   Im Bilde Gottes? - Ganz veraltet,                                        Und es quält sich in den Bänken
   da man's mit dem Mammon hat.                                       seiner Hörer kleine Schar,
                                                                                                     sucht ein wenig mitzudenken,
   Geld regiert auf allen Ebnen,                                              unerlöst nun ganz und gar.
   und die Ebnen baut man aus,                  
   saugt mit Macht den gottgegebnen                                   Und man spürt die lahmen Glieder
   Gemeinden Mark und Seele aus.                                      mehr als in der Woche noch,
                                                                                                     lustlos singt man lahme Lieder,
   Wenn die allerersten Christen                                           kommt nicht raus aus seinem Joch.
   drängten zum Martyrium hin,              
   vor Dioklet und Nero büßten,                                              Selbst die reinste Himmelsgabe
   gibt das heute erst 'nen Sinn:                                             wandelt sich nur noch in Müh',
                                                                                                     meint doch jeder fromme Knabe,
                                                                                                     daß nur er den Karren zieh.

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   Doch da kommt uns frohe Kunde                                     "Wir woll'n nicht anders sein als andre,
   aus den Alpen: Achtzehnneun                                           gelobt sei die Egalité!
   konnten die Tiroler Bauern                                                 Wir bringen endlich demokratisch
   von Opoljum sich befrein.                                                   und selbsterlöst uns in die Höh!"

   Erst der Sandwirt, jetzt ein Lehrer                                     Und, was schon die Protestanten
   ruft zu der Befreiungsschlacht,                                          praktizieren ohne Glück,
   Korsen- und Prälatenwillkür                                              sei nun auch bei uns Parole:
   wird gebändigt über Nacht.                                                nur nicht einen Blick zurück!

   Wenn es denen konnt gelingen,                                       Nur nicht umkehrn zu dem Vater,
   warum äffen wir's nicht nach?                                           der uns schon entgegen kommt,
   Wir kopiern in allen Dingen,                                               lieber leiden an dem Kater
   abgeguckt ist keine Schmach.                                           und am Schädel, welcher brommt.

   Du verlegst dich auf das Fordern -                                   Nur nicht sehen, daß der Schöpfer
   fordern sie doch auch von dir -                                          weislich alles hat gericht'.
   ständig unter fremden Ordern,                                          Eh'r verreckt als Steineklöpfer,
   rächst du dich am Ende hier.                                             denn erlöst im Himmelslicht.

   Unterschreibst dich beim "Begehren",                             Und du käust ohn' alles Zagen,
   das,woanders ausgedacht -                                              was man dir da vorverdaut,
   doch was sollte dich das scheren -                                  was, zu allen andren Plagen,
   im Kirchenvolk die Runde macht.                                      endlich dich vom Stengel haut.

   Frauen vor! - Und erst die Schwulen!                                Denn du forderst, daß die Kirche
   Endlich kriegen sie ihr Recht,                                             sei wie alles ringsumher,
   müssen nicht im Finstern buhlen.                                     daß der letzte Tupfer Farbe
   Und "Herr" genannt wird jeder Knecht.                             aufgeh in dem grauen Meer.

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   Das Konzil - ach ja, wir träumten                                        Eilig gießt man schon in Eisen
   tief im Innern schönen Traum,                                            eine kaum entstandne Form,
   den Johannes dann erfüllte,                                                will sich selbst und uns beweisen:
   uns befreite von dem Zaum,                                                Bewegung endet in der Norm!
   der arianisch uns geknebelt.
   Großer Hoffnung gab er Raum.                                          Sie verwalten unverdrossen.
                                                                                                      Ständig wächst das Oberhaus.
   Geist der Freiheit, Atem Gottes -                                         Gemeind' und Kirchen
   Fenster auf für frischen Wind,                                              wern geschlossen,
   und ein neues Selbstbewußtsein,                                      und die Pfarrer stirbt man aus.
   daß wir Gottes Kinder sind.
                                                                                                       Was wird nach dem Raubbau bleiben?
   Fleutjepeipen! Episkopen -                                                   Wer soll solchen Moloch nähren?
   wie in Mizraim gewohnt -                                                       Auf kleiner Scholle wern wir treiben -
   kürzten seine Lebensjahre,                                                  ewig kann das ja nicht währen.
   herrschen wieder wie gewohnt.

   Der Nächste mußt noch schneller sterben,
   nur sein Lächeln blieb zurück.
   Es verscherbelten die Erben
   auch das letzte bißchen Glück.
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   Bleibt uns Weinen nur und Klagen                                     Zieht er nicht mit seiner Liebe
   angesichts der Wirklichkeit?                                                vom Schweinefrass verlornen Sohn,
   Oder will sie mehr uns sagen,                                            gibt ihm statt verdienter Hiebe
   gar lösen uns zur Heiterkeit?                                               einen unverdienten Lohn?
  
   Ist doch alles nur die Hülle,                                                  Müh du dich sinnlos mit Reformen,
   ist Drumrum und Spelz und Stroh!                                      verteid'ge Altes - einerlei -
   Ist zum Schutz da für die Fülle -                                           verstrick dich voll in deine Normen,
   SEIN Erbarmen macht uns froh.                                         diese Welt geht doch vorbei.

   Sollte er sich nicht erbarmen,                                              Kommt für dich die dunkle Stunde,
   wenn er sieht wie du dich plagst,                                        wo zu End die Zappelei,
   fängt er nicht mit offnen Armen                                            hörst du dann aus SEINEM  Munde:
   dich, wenn du nichts mehr vermagst?                               Gib nur Ruh - ich mach dich frei!

                                                                                                                                


    8.   DIE GROSSE FLUT

   "Denke hier nicht an Wasser. Die Überschwemmung geschieht durch Geschwätz, Infor-
    mationen und Meinungen"  -  so heißt es schon vor 4000 Jahren in alten Bibelkommentaren.

   Wer denkt nicht gleich an die Bilderflut, die alle Phantasie ertränkt, an all die "Infos", die nie
   zum Kern der Sache kommen, an das Blabla in Predigten und Vorträgen, an Stamm-
   tischen und in Kaffeekränzchen, an Gerüchte und Rufmorde.
   Natürlich gibt es auch noch Überflutungen mit Konsum und Müllbergen, mit Optimierungen
   und Evaluationen, Reizüberflutung etc.

       7.  RELIGION UND COMMERZ                            

   Unser aller Stammvater ist Kain, der Geschäftsmann. Seine Mutter hat ihn Kain genannt,
   weil sie nach eigener Aussage mit diesem Kind ihren Mann "gekauft" hat.  Die Nachkom--
   men Kains halten das Gelobte Land besetzt, wenn Josua das Volk über den
   Jordan führt. Er muß jeden Fußbreit freikämpfen. Jesus hat auch seine Mühe, den Tempel
   vom Krämergeist zu reinigen. Hilft alles nichts. Schon der gute Tacitus, den vertrottelte Theo-
   logen ganz gern für einen heidnischen (und damit in ihren Augen damit schlagkräftigen ) Beleg
   der historischen Existenz Jesu ansehen - sie scheinen sich derer gar nicht sicher - spricht
   statt von Christus nur von "einem gewissen Chreestos" (mit griechischem eta) , einem
   Nützlichen oder Benutzbaren. Ob fürs Weihnachtsgeschäft oder für den Tourismus, zur
   Rechtfertigung von Positionen und Rechthaberei oder ..... - er läßt sich fast so gut vermarkten
   wie seine späteren Statthalter. SCV = si Cristo videsse - sagen die Römer.

   Die zweite Erbschaft aus Kains Namen ist die Eifersucht, setzt Eva doch ihren Geburtssegen
   so fort: Und diesen werde ich eifersüchtig hüten.

   Nun, anstelle des erschlagenen Abel haben wir außer Kain aber wenigstens auch eine
   Spur Scheth ("Set") in unseren Genen. Und das ist ein selbstloser Schößling, das berühmte
   Reis der Propheten - unscheinbar doch hoffnungsvoll. Es läßt sich vom Beton der Geschäfte-
   macherei nicht auf Dauer ersticken.

        6.       11. SEPTEMBER
        
   Sage niemand, es gäbe keine Wunder mehr in einer hochtechnisierten Welt. Da können
    immerhin Türme, die oben angestoßen werden, in sich zusammensacken, statt einfach
    umzufallen, da kann Feuer mit großer Hitze zwar  Stahl schmelzen, läßt Ausweispapiere
    aber gut lesbar. Es ist halt eine andere Sorte von Wundern.


       5.  20. JULI               Nibelungentreue

    Hier stand nicht David gegen Goliath auf, auch nicht Knechte gegen ihre Herren, schon gar
    nicht ein Volk gegen seine Unterdrücker. Es war ein Rest des Gewissens, das sich immer
    wieder beschwichtigen hat lassen und nun verzweifelt nach der Notbremse griff.
    Das ist schwerer als jede Heldentat.

      4.  SEGEN UND FLUCH

    Wenn Israel über den Jordan ins gelobte Land zieht, muß es zwischen zwei Bergen hindurch:
    Ebal und Garizim. Auf dem einen stehen 6 Priester und fluchen, auf dem anderen 6, die segnen.
    Segen UND Fluch legt Moses dem Volke vor bei seinem Vermächtnis, nicht Segen oder Fluch.

    Der Hl. Bernward von Hildesheim hatte tiefere und weitreichendere Einsichten als seine
    Kollegen. Vor allem seine Kenntnis biblischer Überlieferung und seine Überzeugung, daß die
    Erlösung nur kommen könne aus Juden UND Heiden, sprich Christen, stieß den Nachbarn,
    voran dem Erzbischof  Willigis von Mainz sauer auf. Zu seinen Lebzeiten hatte er dessen Über-
    griffe des öfteren abzuwehren.
    Er mußte aber fürchten, daß in der Schwäche seines Alters oder spätestens nach seinem
    Tode sein  künstlerisches und gläubiges Erbe vernichtet würde. So brachte er an  seiner
    Hauptstiftung St. Michael außer Segenssprüchen auch einen kräftigen Fluch an:

            Damnatus omnino omnis                                          Verflucht in Zeit und Ewigkeit
            Duplex duodecem autem                                           Wer dieses heilge Haus entweiht.
            Episcopus sive servilis                                               Ob Bischof oder sein Vasall,
            Sacellum hoc sacrosanctum                                     Den treff der Fluch
            Profanum facere audens.                                           Zwei Dutzend mal.


        3.  DER GORDISCHE KNOTEN            

     Dem macedonischen Kaiser ALEXANDER DEM GROSSEN zeigte man eines der Weltwun-
     der, einen Knoten, so kunstvoll geschlungen, daß niemand Anfang und Ende oder den Verlauf
     der Fäden ausfindig machen konnte, geschweige denn ihn auflösen. Dabei war das Ganze
     nicht etwa ein  wirres Knäuel, vielmehr von einer geradezu wunderbaren Klarheit und Ordnung.

    Alexander zog sein Schwert und hieb den Knoten entzwei: Da - euer Wunder ist gelöst!
    Dieser Barbar Alexander ist der Stammvater westlicher Zivilisation und Philosophie, die gar
    stolz darauf ist, gradlinig, monocausal. digital und gewalttätig zu sein.
    Übrigens spielt der Knoten - Biblisch: kescher - eine bedeutende Rolle: er ziert als zizith 13fach
    die acht Fäden an den 4 Ecken des Tallith, das man sichtbar oder unsichtbar beim Gebet trägt,
    Mit kunstvollen Knoten werden Stirn und linke Hand gebunden, dazu mit 1+4 Schriftstellen.
    Den Knoten in Gottes Nacken darf Moses schauen.
    Und das Labyrinth ist ein stilisierter Knoten.


        2. DIE GESCHICHTE MIT DER WURZEL

    Vom Hl. BONIFATIUS, dem "Apostel der Deutschen"  (um 700) wird erzählt, er habe die Donar-
    eiche gefällt und damit ein Zeichen für den Sieg des christlichen Glaubens  und das Ende des
    germanischen Heidentums  gesetzt.
    Wenn dem so ist, hat er aber wohl die braune Wurzel stecken lassen - der alte Schoß ist
    fruchtbar noch - und das Christliche nur wie einenTannenbaum ohne Wurzel eingesetzt.
    Oder?

       1.   INKULTURATION

    Das Christentum hat von Anfang an einen stark expansiven Charakter. "Allen alles werden" ist
   die Parole des Hl. Saulus-Paulus. Er wechselt dafür seinen Namen: Saul, eigentlich Schaul,
   riecht ihm doch zu sehr nach Knoblauch: "Ich bin ein Römer". Und nach seiner plötzlichen
   Bekehrung ist er 3 Jahre lang bemüht,  ja nicht mit "den Jerusalemern" in Verbindung gebracht
   zu werden, und als das dann doch irgendwann geschieht, ist er stolz darauf, dem Peter "ins
   Angesicht zu widerstehen".
   "Kephas " nennt er ihn verächtlich," Kohlkopf". Sein erster Brief - an 7 Gemeinden und 3 Personen
   adressiert er seine Briefe - geht an die Römer. Die heilige Thora, Gottes wunderbares Wort vom  
   Sinai, ist für ihn das "Gesetz" - wie für die Pharisäer - Fessel, Anlaß zur Sünde. Kurz, er setzt sich
   sehr gewaltsam von seiner hebräischen Vergangenheit ab und läßt kaum ein gutes Haar an ihr.
   Um eben allen alles zu werden, sich der modernen Welt anzupassen.